La Condition humaine
Der Ort ist überwältigend, die reine Natur: unberührt-malerische Landschaft. Das Gebäude hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Idyll, geradezu abstoßend hässlich. Ein schwarzer, mit Bauxit überzogener Betonklotz, Sprayer haben ihre Graffiti-Spuren darauf hinterlassen, und wenn man sich ihm mit tastenden Schritten über die Hügel von Bouches-du-Rhône nähert, könnte man fast glauben, irgendein Außerirdischer sei eines Nachts auf die Idee verfallen, dieses Ungetüm aus dem Universum herab auf die Erde zu schleudern.
Die Wahrheit ist eine andere, aber nicht minder absurde. Ursprünglich war das 1994 eröffnete «Stadium de Vitrolles» eine Autoviertelstunde außerhalb von Aix-en-Provence die Heimspielstätte des dort ansässigen Handballklubs. Der aber fand nach zwei Jahren ein anderes Domizil, so dass die Halle leer stand. 1998 verfiel der Politiker Bruno Mégret vom rechtsextremen «Front National» auf die Idee, in diesem Stadion, das Platz für 5000 Menschen bot, ein Rockkonzert zu veranstalten – mit Musik identitärer Gruppen. Es kam zum Eklat, sogar Bomben detonierten, das Stadium de Vitrolles wurde auf unabsehbare Zeit geschlossen.
Und nun das. Mahlers Zweite in c-Moll, seine ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 5
von Jürgen Otten
Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
Wohl kein Himmelskörper wurde so häufig besungen wie dieser. Zu groß seine Faszination, zu immens seine Ausstrahlung, um nicht die Feder in die Tinte zu tauchen. Die vielleicht schönste Hommage an den Mond schrieb Joseph von Eichendorff: «Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst, / Dass sie im Blütenschimmer / Von ihm nur träumen müsst», so lautet die...
Es schwinden jedes Kummers Falten, / solang des Liedes Zauber walten»: Auch Friedrich Schiller muss in Stammbuchstimmung gewesen sein, als ihm dieser Reim einfiel. Ob sich sein jüngerer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven davon bezaubern ließ, wissen wir nicht. Wohl aber, dass sich Beethovens Lied-Œuvre von nicht ganz einhundert Kunstliedern und ebenso vielen...
