Erlkönigin speaking!
Endlich entdeckt man flächendeckend die Musik von Komponistinnen! Komponistinnen komponierten im Laufe der Jahrhunderte (wenn überhaupt) aus bestimmten sozialen Milieus und Umständen heraus: vor dem 16. Jahrhundert fast gar nicht, im 17. und frühen 18. Jahrhundert als Nonnen musikbeflissener Klöster, im späteren 18. Jahrhundert als Adelige (oder Adel-Assoziierte), im 19.
Jahrhundert (bei Einverständnis tyrannischer Ehemänner oder Väter) als meist vom Klavier und/oder Gesang kommende Interpretinnen, die irgendwann eigene Werke (bei eigenen Recitals) aufs Notenpult legten – und schließlich im 20. und 21. Jahrhundert bald als künstlerisch frei sich entfaltende Individuen. Alben mit Kunstliedern, die nur von Komponistinnen stammen, sind gleichwohl (noch) Rarität. Golda Schultz und Jonathan Ware schaffen nun Abhilfe.
Die historischen Determinationen, denen das weibliche Komponieren im Laufe der Jahrhunderte unterworfen waren, fängt die Sopranistin im Beiheft ihres Albums sogleich auf: «Wie wäre es, wenn eine Frau ihre Geschichte selbst erzählen würde?» Ihr Klavierbegleiter habe ihr vor Jahren diese Frage gestellt – im Zeichen der Beschäftigung mit Schuberts ewig kreisender ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Arno Lücker
Festspielsommer
Die Erleichterung ist spürbar. Und auch hörbar. In Bayreuth wie in Salzburg, in Erl wie in Bregenz, Wildbad und Schwetzingen. Die Sommerfestivals laden vollumfänglich zum Genuss ein. Wie groß er wird, entscheidet sich vor Ort. Wir sind dabei
Koloratursopran
Im Alter von acht Jahren stand sie erstmals auf einer Bühne, bereits mit 16 debütierte Irene...
Es war Sommer in Bayreuth, es war heiß, und man wusste: Die sechsstündige «Götterdämmerung» würde wohl doch eher eine Menschendämmerung sein, oder besser: eine Menschenkörpererwei- chung durch fortwährende Schweißausbrüche. Inhaberinnen und Inhaber eines gut funktionierenden Deos mochten im Vorteil sein, ihre Ausdünstungen würden sich als weniger schlimm erweisen...
Der 1894 in Prag geborene Erwin Schulhoff machte zunächst als Pianist auf sich aufmerksam. Antonín Dvořák höchstselbst legte dem gerade einmal Siebenjährigen einen guten Klavierlehrer ans Herz. Mit zehn Jahren ging es für Schulhoff ans Prager Konservatorium. Bald folgten Kompositionsstunden bei niemand Geringerem als Orgel-und-Partitur-Komplexist Max Reger. Der...
