Erlkönigin speaking!

Golda Schultz und Jonathan Ware mit einem lustvollen, mutigen Album

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Endlich entdeckt man flächendeckend die Musik von Komponistinnen! Komponistinnen komponierten im Laufe der Jahrhunderte (wenn überhaupt) aus bestimmten sozialen Milieus und Umständen heraus: vor dem 16. Jahrhundert fast gar nicht, im 17. und frühen 18. Jahrhundert als Nonnen musikbeflissener Klöster, im späteren 18. Jahrhundert als Adelige (oder Adel-Assoziierte), im 19.

Jahrhundert (bei Einverständnis tyrannischer Ehemänner oder Väter) als meist vom Klavier und/oder Gesang kommende Interpretinnen, die irgendwann eigene Werke (bei eigenen Recitals) aufs Notenpult legten – und schließlich im 20. und 21. Jahrhundert bald als künstlerisch frei sich entfaltende Individuen. Alben mit Kunstliedern, die nur von Komponistinnen stammen, sind gleichwohl (noch) Rarität. Golda Schultz und Jonathan Ware schaffen nun Abhilfe. 

Die historischen Determinationen, denen das weibliche Komponieren im Laufe der Jahrhunderte unterworfen waren, fängt die Sopranistin im Beiheft ihres Albums sogleich auf: «Wie wäre es, wenn eine Frau ihre Geschichte selbst erzählen würde?» Ihr Klavierbegleiter habe ihr vor Jahren diese Frage gestellt – im Zeichen der Beschäftigung mit Schuberts ewig kreisender ...

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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Arno Lücker

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