Fern, aber heutig
Vierundzwanzig Bühnenbilder, 673 Kostüme, diverse Überraschungseffekte, sogar ein echtes Kamel: Das Logbuch zur Uraufführung 1875 taugt locker als Vorbild für Zeffirelli-Events. Und gleichzeitig täuscht der Aufwand über den wahren Gehalt hinweg: Jacques Offenbach ging es mit «Le Voyage dans la lune» gewiss um plaisir. Doch mit dem Augenfutter wurde wie immer bei ihm Subversives transportiert.
Auf der Erde eine bröckelnde Staatsmacht, ein in Bürokratie versackendes System, das Matriarchat in der Wissenschaft (es gibt ausschließlich Astronominnen), auf dem Mond dagegen Frauen am Herd, als Börsen-Objekt oder Luxus-Accessoire, eine Nachwuchslösung ohne Sex (Kinder bezieht man aus dem Kinderland) und Liebe als Krankheit: Problemlos ließe sich aus diesen Zutaten noch heute ein Musiktheater rühren.
Dass die Mondbewohner für die eindringenden Erdlinge an eine schnelle Lösung denken («erst einmal einsperren») und auch gegendert wird, steht zwar nicht im Stück, passt aber zur Premiere im Söder-Land. Für «Die Reise zum Mond» hat das künftige Staatstheater Regensburg alle Schleusen geöffnet. Die Kostüme wechseln gefühlt im Fünf-Minuten-Takt, die Kulissen lassen an Retro-Science-Fiction à la ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel
Es mag seltsam anmuten, doch gerade in seinem Sehnsuchtsland, dort, wo die Zitronen blühen, fand sich – mit Ausnahme Ferruccio Busonis, der aber eine heftige Neigung zu Deutschland empfand – kein bedeutender italienischer Komponist des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, der Goethes Schauspiele, Dramen oder Gedichte in Töne setzen wollte. Sie alle, sei es Bellini...
Kann es sein, dass wir von Mozart wenig verstanden haben? Dass seit der Uraufführung des «Don Giovanni» bis auf unsere Tage vorwiegend Irrtümer und ideologische Verfälschungen die Runde machen? Wer das mit kühnen Thesen aufwartende Buch von Gerd Michael Herbig studiert, kommt unweigerlich zu diesem Schluss. Die einzigartige Komplexität des Werkes ist bislang nur...
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden,...
