L'art pour l'art

Pirouetten im Designer-Wald: «Der Freischütz» im Festspielhaus Baden-Baden, gestaltet von Robert Wilson, dirigiert von Thomas Hengelbrock

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Der Teufel trägt Prada? Mitnichten. Zumindest nicht im Baden-Badener Festspielhaus. In Webers «Freischütz» bestimmen die Amsterdamer Couturiers Viktor & Rolf, wo’s lang geht – mehr noch als der Regisseur und Bühnenbildner Robert Wilson, und das will ja etwas heißen.

Man könnte diese Zeilen spielend mit der Beschreibung dessen füllen, was ihrer auch sonst schon überaus barocken, überaus theatralischen Fantasie entspross und durch den glitzernden Perlenschmuck aus Swarovskis Tiroler «Kristallwelten» einen zusätzlichen, so extravagant luxuriösen wie fast schon grotesken Kick bekam.
Da sieht der Leibhaftige, sieht der Sonnenbrillenpunk Samiel aus wie ein leuchtend roter Zackenblitz. Da mutet die Braut Agathe wie ein üppig ausladendes lebendes Blumenstück an, ihr unglückseliger Max mit seiner Blätterwerkweste wie ein Baum. Kurz: überbordende, bizarre Einfallsfülle, wohin das unentwegt beschäftigte Auge schweift – Schnörkel, Rüschen und Faltenwurf im Quadrat, bis hin zum Finale ganz in himmlischem Unschuldsweiß, hin zur Utopie vom Sieg des Guten über das Böse, das kurzerhand vom Bühnenboden verschluckt wird. Zu schön, um wahr sein zu können. Ein Kostümfest zum Thema «Freischütz», das ein ...

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Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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