Tanz am Abgrund
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.
» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem (grandiosen) Rollendebüt als Iphigénie en Tauride an der Hamburger Staatsoper zu tragen hatte – in einer Inszenierung, die den Charakter eines Endspiels hat? Statt des chorischen lieto fine erklingen einige Takte aus einer von Gluck nachkomponierten Ballettmusik, die einen Bogen zurück zum Vorspiel führt, dessen idyllischer Charakter freilich szenisch konterkariert wird.
Während des anmutig-pastoral einsetzenden Vorspiels hebt sich der Vorhang keineswegs über einer idealisierten arkadischen Landschaft. Der Blick fällt auf eine riesige, rostige Wand, welche die Bühne abschließt. Der von fern sich ankündigende Sturm mit seinen Fortissimo-Blitzen und prasselndem Regen und Hagel wird – auf Kosten der subtil instrumentierten Musik – durch eine Windmaschine lärmend übersteigert. Ebenso überflüssig die Einfalt der choreografischen ...
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Ob Ungarns derzeitiger Kultusminister István Hiller 2005 in Pécs war, als man dort das Trauerspiel «Uriel Acosta» des Berliners Karl Gutzkow (1811-1878) in neuer Übersetzung gab, wissen wir nicht. Doch das bekannteste Zitat daraus dürfte er kennen: «Alles schon da gewesen». Notorisch geläufig mag ihm der Spruch vielleicht auch im Zusammenhang mit der Budapester...
Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles...
Ein neuer «Ring» läuft selten sofort rund, zumal wenn ein Haus sich zum ersten Mal an Wagners Opus maximum wagt. Washingtons National Opera etwa musste «Siegfried» in der vergangenen Spielzeit verschieben, Alan Held und Gidon Saks traten stattdessen im «Holländer» auf. Und die «Götterdämmerung» wird im kommenden Jahr nur konzertant zu erleben sein: Francesca...
