Kunstschnee und Konfetti
Nun hat der neue Musikchef also offiziell seinen Einstand gegeben. Mit einer neuen «Traviata», die Willy Deckers legendäre, aus Salzburg übernommene Inszenierung (2010) ersetzt. Wie ein Held wurde Yannick Nézet-Séguin schon gefeiert, bevor der erste Takt der Ouvertüre erklungen war. Als der Dirigent nach der Premiere den frenetischen Schlussapplaus entgegennahm, gingen von den Seiten abgfeuerte goldene Konfettischauer auf ihn nieder.
Auch das Orchester hatte er komplett auf die Bühne gebeten – eine von Daniel Barenboim vor langer Zeit für die Berliner Staatskapelle eingeführte Praxis, an der Metropolitan Opera ein absolutes Novum. Eine schöne Geste, auch wenn die Musiker das Stück wohl – es war die 1012. «Traviata»-Vorstellung des Hauses – selbst ohne Stabführung rückwärts im Schlaf aufführen könnten. Am Ausgang wurden die Besucher später dann noch mit Prosecco-Fläschchen der Marke «Vintage Yannick» beglückt.
Das demonstrative Willkommensritual für den kanadischen Maestro diente nicht zuletzt dem Zweck, für alle sichtbar den endgültigen Bruch mit James Levine zu besiegeln, jenem über Jahrzehnte unangefochtenen Musikdirektor, der nach Missbrauchsvorwürfen fristlos entlassen wurde ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von David Shengold
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle»...
Nebel in dichten Schwaden. Von den Seitenbühnen, im Zuschauerraum. Im roten, grünen und blauen Gegenlicht wird das wabernde Trockeneis zu einem unergründlichen Ozean, in dem sich die Umrisse von drei Gestalten abzeichnen: Es könnte der Beginn einer «Rheingold»-Inszenierung sein. War es im Grunde auch. Ganz ähnlich hatte es 1988 im Bayreuther Festspielhaus begonnen....
Er zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten des russischen Kulturlebens: Vladimir Kekhman, Eigentümer und Chef des Mikhailovsky Theaters in Sankt Petersburg, Intendant des Opernhauses von Nowosibirsk. Ein Geschäftsmann, der zeitweilig abtauchte, weil gegen ihn in Steuerangelegenheiten ermittelt wird. Loyaler Unterstützter des Putin-Regimes und der orthodoxen...
