Kundry darf leben
Schwer sind die Bronzetüren des Goetheanums, der Weg zur Initiation soll kein leichter sein. Drinnen warten bereits Eingeweihte mit deutschen wie englischen «Suche Karte»-Schildern auf Erlösung. Aus aller Welt sind Anthroposophen ins schweizerische Dornach gekommen, um dabei zu sein, wenn in ihrem Herzzentrum erstmals der «Parsifal» gezeigt wird – am Palmsonntag, Karfreitag und Ostersonntag 2023. Schließlich sind die Bezüge zu Richard Wagner überevident beim Gründer der Anthroposophie.
Gebaut hatte Rudolf Steiner das Goetheanum rund um eine Bühne mit amphitheatralem Zuschauerraum zwar für Goethes «Faust» und seine eigenen Mysteriendramen. Doch schon die erhöhte Lage inmitten freier Natur erinnert mit Nachdruck an einen anderen Grünen Hügel. Zweimal besuchte Steiner dort den «Parsifal», zuletzt 1914, als die Schutzfrist erlosch und das Bühnenweihfestspiel vom Ritual in den profanen Opernbetrieb überging. Wie dem späten Wagner ging es auch Steiner um eine Erneuerung der Menschheit aus einer Mischung von Mythologie und Religion, und beide rückten dafür nicht nur die Gestalt Christi in ein neues Licht jenseits tradierter Kirchlichkeit, sondern vermischten sie auch mit fernöstlich ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 22
von Michael Stallknecht
Als im August 1876 die Festspiele in Bayreuth mit Richard Wagners «Ring» eröffnet wurden, war das Echo in den Medien gewaltig. Allein aus Deutschland reisten über 60 Rezensenten in die fränkische Provinz, die New York Times schmückte ihre Titelseite mit Artikeln über Bayreuth, alle wichtigen Blätter der europäischen Metropolen berichteten ausführlich. Ob zustimmend...
Eine Komödie ist eine Komödie ist eine Komödie? Glauben wir Henri Bergson, verhält es sich etwas komplizierter. Es gibt Komödien, die aus sich selbst heraus wirken und den Bereich des Komischen nie verlassen, sie sind derb und direkt. Aber es gibt, siehe Tschechows Theaterstücke, auch Komödien, denen das Tragische immanent ist, ohne dass sie diese Immanenz...
Unter den Bühnenwerken von Gaetano Donizetti findet sich kein einziges mit dem Namen «Bastarda». Was jetzt am Théâtre La Monnaie an zwei Abenden zu sehen war, trug gleichwohl diesen Titel und den Namen des Komponisten. Der zureichende Grund: In vier Opern Donizettis spielt Elisabeth Tudor, die Tochter Heinrichs VIII., eine zentrale Rolle. Olivier Fredj nahm dies...
