Schicksalsschläge einer Königin
Unter den Bühnenwerken von Gaetano Donizetti findet sich kein einziges mit dem Namen «Bastarda». Was jetzt am Théâtre La Monnaie an zwei Abenden zu sehen war, trug gleichwohl diesen Titel und den Namen des Komponisten. Der zureichende Grund: In vier Opern Donizettis spielt Elisabeth Tudor, die Tochter Heinrichs VIII., eine zentrale Rolle.
Olivier Fredj nahm dies zum Anlass, «Elisabetta al castello di Kenilworth» mit der Tudor-Trilogie («Anna Bolena», «Maria Stuarda», «Roberto Devereux») in einer Art historischem Ready-made zu verknüpfen, das den Aufstieg und Fall von Elisabeth I. ins Visier nimmt. Für die musikalischen Verbindungen und Arrangements zeichnete Dirigent Francesco Lanzillotta verantwortlich. Das wenig schmeichelhafte Wörtchen «Bastarda» entlieh man der Historie: Elisabeths Gegenspielerin Maria Stuart hatte es ihr beim legendären persönlichen Zusammentreffen ins Gesicht geschleudert – und sich damit im wahrsten Wortsinn um ihren katholischen Kopf gewütet.
Die Theaterform, in der Regisseur Fredj Gesang, Tanz und Kostümpracht mit Elementen aus dem Schauspiel kombiniert, umweht ein Hauch von präsentierendem Shakespeare-Theater und Brecht’scher Verfremdung; sie stellt ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Joachim Lange
Die neue Oper «Voyage vers l’Espoir» von Christian Jost widmet sich dem komplexen Thema Migration. Die Uraufführung des nun am Grand Théâtre du Génève aus der Taufe gehobenen Stücks war eigentlich schon für 2020 geplant, musste aber pandemiebedingt verschoben werden. Das Libretto von Káta Weber basiert auf dem gleichnamigen Film «Reise der Hoffnung» (1990) von...
Das Stück ist kein Repertoirerenner geworden, wie man ihn eigentlich von Pé-ter Eötvös hätte erwarten können. Immerhin haben sich seine «Tri Sestry» bis heute als Dauerbrenner erwiesen, während die kurz danach entstandenen «Angels» in den knapp zwei Jahrzehnten seit ihrer Pariser Uraufführung ein von den Theatern nur wenig beachtetes Dasein fristen. Möglicherweise,...
Der vielleicht bewegendste Moment ereignet sich fast nebenbei gleich am Anfang, noch bevor das komplizierte, etwas ermüdend hin- und herwogende Geschehen um Macht, Liebe, Krieg und Freundschaft im präkolumbianischen Peru und Mexiko abrollt, noch vor den Staats- und Privataktionen um den Kriegshelden Montezuma und die Inkatochter Orazia (die er begehrt) und die...
