Der feine Unterschied
Herr Dusapin, von Nikolai Rimski-Korsakow ist die schöne Sentenz überliefert, Kunst sei «im Grunde die bezauberndste und hinreißendste Lüge». D’accord?
Die Kunst eine Lüge? Eine interessante Ansicht. Für mich ist Kunst, insbesondere Musik, die überwiegende Zeit dazu da, etwas zu verbergen.
Aber was?
Sich selbst, in meinem Fall also den Komponisten.
Wobei es für mich persönlich als passioniertem Leser eigentlich der naheliegendste Weg wäre, mein ganzes Leben – meine Traurigkeit, meine Melancholie, meine Kindheitserinnerungen, meine Liebe zu Frauen – durch Literatur zu erklären. Doch mit meiner Musik kann ich dasselbe erzählen, und niemand wird genau verstehen, was genau ich damit erzähle: ein enormer Vorteil. Auf einem Blatt Papier können Sie mit Noten unzählige persönliche Dinge, Affekte, Emotionen, Gefühle notieren, ohne dass sie gleich decodiert würden.
Aber steckt dahinter nicht die Idee, Ihre Persönlichkeit durch Ihre Musik womöglich zu «entlarven»?
Nein. Denn natürlich ist meine Musik einerseits Ausdruck meiner Persönlichkeit. Und doch verbergen sich darin viele Geheimnisse. Mein musikalischer «Vater» Iannis Xenakis erklärte alles mit Hilfe von hochgradig komplexen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Interview, Seite 63
von Jürgen Otten
Der Furor einer künstlerischen Aussage: Wann greift er uns noch wirklich an? Beim diesjährigen «Opera Forward Festival» in Amsterdam waren es gleich zwei von drei Abenden, die, im existenziellen Sinne, als Appell (mit Dorn), tief bewegten – hinreißend, hirnzerreißend.
Vor dem Eisernen Vorhang im Opernhaus spielt das Ein-Frau-Stück «Perle Noire: Meditations for...
Ein Wiener Lokalderby mit drei Premieren an drei Häusern, zwei davon mit Werken des Repertoires, eine davon als Uraufführung: Der März brachte die Fortsetzung des Mozart-Da-Ponte-Zyklus mit «Le nozze di Figaro» an der Staatsoper in der Inszenierung von Barrie Kosky, mit Philippe Jordan am Pult; am Musiktheater an der Wien blickte Regisseur David Marton mit...
JUBILARE
Susan Belling wurde am 3. Mai 1943 in New York City geboren. Sie studierte in Long Island und war danach Mitglied in verschiedenen Opernstudios, darunter auch dem der Metropolitan Opera. Belling wurde als Spezialistin für Ur- und Erstaufführungen bekannt, also für primär modernes Repertoire sowie für Alte Musik. Sosang sie beispielsweise die Titelrolle in...
