Kulturtransfer und Identität im Musiktheater
Kulturtransfer, Identität: Sind das nicht genau jene Worthülsen, die im Moment immer dort kursieren, wo über Kultur geredet wird, und hinter denen sich eine zugleich banale und folgenreiche Erfahrung verbirgt: die Erfahrung, dass unsere Kultur- und natürlich auch unsere Musikszene in einer Weise vielfältig geworden ist, die es den Verantwortlichen, aber auch den Rezipienten oft schwer macht, angemessen zu agieren? Muss also hinter unserem Thema nicht ein dickes Fragezeichen stehen? Was meinen wir überhaupt, wenn wir solche Begriffe für ein Round-Table-Gespräch aufrufen?
Begri
ffe leben bekanntlich von der Art, in der man mit ihnen umgeht. Man kann den viel benutzten und auch zerschlissenen Begriff der Identität zunächst ganz simpel mit einer alten, einfachen und sozusagen zeitlosen Bestimmung aufgreifen: Wer man ist in der Welt, das ist keine Gegebenheit, sondern eine Aufgabe. Gleich im ersten Band des unter anderem von Friedrich Jaeger herausgegebenen «Handbuchs der Kulturwissenschaften» (Metzler Verlag) findet sich ein faszinierendes Kapitel zum Thema Identität, in dem dieser Aspekt aufgegriffen und weitergeführt wird. Identität, so sagt die moderne Kultur- und Sozialwissenschaft, ...
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Vor bald 20 Jahren verwandelte Jean Nouvel die Lyoner Oper in einen hypermodernen Kult(ur)ort. Parkett, Balkon oder Rang erreicht man mittels Rolltreppen, die konsequent eingesetzte (damalige) Modefarbe Schwarz lässt eine existenzialistische Atmosphäre entstehen. Als Kontrast wölbt sich über allem eine riesige Glaskuppel. Vor dem Opernhaus trifft sich Lyons...
Die Insignien und Embleme unterschiedlichster Religionen, sie fügen sich hier zu einem unheimlichen, erdrückend wirkenden Labyrinth aus Statuen. Antike Gottheiten: Buddhas, Pharaonen, Drachen, Madonnen, Gekreuzigte... Wer findet sich noch zurecht auf diesem Skulpturenfriedhof? Wer verheißt Orientierung? Wo sind die echten Heilsbringer?
Für Joan Anton Rechi, Alfons...
Dieser Carlo singt wahrhaft königlich. Sicher und strömend in allen Lagen, mit reizvoll verschattetem Tenor: Nikolay Dorozhkin nimmt als Dauphin, als noch ungekrönter König von Frankreich, das Publikum vom ersten Takt an für sich ein – zumindest vokal. Seine Darstellung ist weniger aufregend. Historisch war Karl VII. ein Zauderer, der tatenlos zugesehen hat, wie...
