Der Clown als Tiefenpsychologe
Vor bald 20 Jahren verwandelte Jean Nouvel die Lyoner Oper in einen hypermodernen Kult(ur)ort. Parkett, Balkon oder Rang erreicht man mittels Rolltreppen, die konsequent eingesetzte (damalige) Modefarbe Schwarz lässt eine existenzialistische Atmosphäre entstehen. Als Kontrast wölbt sich über allem eine riesige Glaskuppel. Vor dem Opernhaus trifft sich Lyons Freestyler-Szene, drinnen bietet Intendant Serge Dorny ein sämtliche Epochen und Regiehandschriften umfassendes Programm.
Dornys Herz schlägt dabei ebenso für die katalanischen Bilderstürmer von La Fura dels Baus wie für Peter Steins texttreue Exerzitien. Gleichsam in der Mitte zwischen Pomp und Pathos landet Rolando Villazóns Regiedebüt: Oft sang der mexikanische Tenor bereits die Titelfigur aus Jules Massenets «Werther», nun wollte er endlich mal das zeigen, was ihm bisher szenisch-konzeptionell fehlte. Dorny sagte ja zu Villazóns schon 2007 (vor allen Stimmkrisen) geäußertem Regiewunsch, stellte ihm allerdings – glücklicherweise – mehrere Helfer zur Seite, etwa für Feinheiten der Personenführung.
Am Anfang des Abends rauscht erst mal der weiße Vorhang impulsiv zur Seite, bald geht ein Raunen und Staunen durch den Saal. Denn ...
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«Eine feinere Operette» wollte Richard Strauss nach eigenem Geständnis mit »Die Liebe der Danae» schaffen, etwas Leichtes, «preziös» Ironisches in der Nachfolge Offenbachs. Bereits 1920 hatte ihm Hugo von Hofmannsthal einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, aber da zeigte sich der Komponist noch uninteressiert. Man kann nur spekulieren, wie diese Oper ausgesehen...
Dieser Carlo singt wahrhaft königlich. Sicher und strömend in allen Lagen, mit reizvoll verschattetem Tenor: Nikolay Dorozhkin nimmt als Dauphin, als noch ungekrönter König von Frankreich, das Publikum vom ersten Takt an für sich ein – zumindest vokal. Seine Darstellung ist weniger aufregend. Historisch war Karl VII. ein Zauderer, der tatenlos zugesehen hat, wie...
Ein paar Tage vor dem Probenbeginn in München war sie spazieren. Unweit von Zürich, in der Nähe ihres Hauses, wo sie noch einmal den Kopf freibekommen wollte für die nächsten Wochen. Da durchfuhr sie ein merkwürdiges, ein überraschendes Gefühl: «Was ist denn das?», habe sie sich gedacht. «Auf einmal freue ich mich richtig auf die ‹Traviata›.» Und irgendwie, so...
