KRIEG UND FRIEDEN
Seit einem Jahr war der Große Türkenkrieg siegreich beendet, ein Erfolg des Habsburgers Leopold I. Und mehr als zwei Jahre waren seit dem Frieden von Rijswijk im Herbst 1697 vergangen, mit dem der von Louis XIV. angezettelte neunjährige Pfälzische Erbfolgekrieg sein Ende fand. Er hatte Frankreich einen schmerzlichen Rückschlag beschert: Fast alle annektierten Gebiete (mit Ausnahme des Elsass) mussten aufgegeben werden. Eine Hungersnot hatte ein Übriges getan. Das war nun propagandistisch zu kompensieren.
Ein Plebiszit, so die Idee des Theaterdichters Jean-Antoine du Cerceau vom Jesuiten-Kolleg Louis-le-Grand, sollte es richten: Saturn, der Herr über die Zeitalter, lässt das Volk seine Wünsche für das beginnende neue Jahrhundert in jesuitischer Dialektik vortragen: Kriegsruhm auf der einen, die mollesse, die weiche Bequemlichkeit des Friedens, auf der anderen Seite. Den Parzen (im Stück drei muntere Damen, nicht die späteren schrecklichen Parzen Rameaus) sind die widerstreitenden Wünsche im Prolog doppelchörig vorzutragen, in den drei folgenden «Récits» plädieren zuerst Mars, Vulkan und «La Gloire» für den Krieg, dann der Genius der Erde, ländliche Gottheiten und «La Paix» fürs ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CDs, DVDs, Bücher, Seite 38
von Klaus Heinrich Kohrs
Wie das Idyll klingt, wenn es besungen wird? Vielleicht so: zart und irisierend in seinen stimmlichen Nuancen, anmutig und sanft in den aufgelockerten, sanft dahinfließenden Begleitfigurationen des Klaviers; als Ganzes versehen mit einem Aroma, das nach Frühling duftet, nach wolkenlosem Himmel, roten Rosen und durch Sonnenstrahlen hindurch flatternden...
Die Holländische Straße in Kassel ist nicht unbedingt das, was man eine schicke Flaniermeile nennen würde. Prosaische Nachkriegsarchitektur dominiert, die vorherrschende Farbe ist mattes Grau, Geschäfte und Wohnhäuser reihen sich schmucklos aneinander. Eine typische Ausfallschneise eben, ohne Flair, ohne Charme. Im April 2006 erlangte diese Straße traurige...
