JUGENDLICH FRISCH

Isabelle Vogt rezitiert Melodramen von Richard Strauss und Robert Schumann

Opernwelt - Logo

Dass das Melodram «ein Genre von unerquicklichster Gemischtheit» sei (wie Richard Wagner anmerkte), «in welchem sich die Musik vom gesprochenen Worte spröde sondert, wie Öl und Wasser und eine Kunst die andere beeinträchtigt» (wie Eduard Hanslick ergänzte), war wohl einer von wenigen Punkten, über die sich der Zukunftsmusiker und sein rabiatester Kritiker hätten einigen können. Damals war das deklamatorische Genre gerade wegen des Kontrasts von gesprochener Sprache und intermittierender Musik in der Oper wie im Konzertsaal beliebt.

Richard Strauss schrieb sein bekanntes Melodram «Enoch Arden» 1897 für Ernst von Possart, den auch als Vortragskünstler geschätzten Schauspieler und langjährigen Intendanten des Münchner Hoftheaters. Er charakterisiert die drei Hauptfiguren durch Leitmotive, hat sich sonst aber bei der Vertonung wenig Mühe gegeben und den Klavierpart weitgehend auf Zwischenspiele und die Illustration des Textes an emotionalen Höhepunkten beschränkt. 

Heute gilt die knapp einstündige Version von Alfred Lord Tennysons reichlich sentimentaler Verserzählung über den edlen Liebesverzicht des unglücklichen Fischers Enoch Arden als Paradestück alternder Sänger und Mimen für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 6 2022
Rubrik: CDs, DVDs, Bücher, Seite 34
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
VERWEGENER RÜCKBLICK

Der Versuch zurückzublicken, das lehrt der Mythos von Orpheus und Eurydike, kann mit dem endgültigen Tod enden. In der Inszenierung und Choreografie, die Pina Bausch von Christoph Willibald Glucks «Orpheus und Eurydike» entwarf, lässt sich das sogar bei zwei Paaren im selben Bild erleben. Schließlich bestand bei der Premiere im Jahr 1975 eine der Neuheiten darin,...

Welch ein seltsam Wunder!

Auf der extrem langgezogenen Bühne des Salzburger Festspielhauses sind allerlei Geländer montiert; zur Rechten ein wenig in modernem (oder doch georgsbekreuzten?) Rot-Weiß wegironisiert. Andere dieser Vorrichtungen, über die anfangs auch mehrheitlich hinweggestiegen werden muss, grenzen eine nachempfundene Bootseinfahrtsmöglichkeit ab. Ein bewegliches Bühnenmodul...

EIN WAHNSINN

Es kann nicht gutgehen. Dieser Hermann ist ein hoffnungsloser Fall, ein einsamer Trinker, er gehört nicht dazu und läuft durch die Welt wie ein Wozzeck durch Sankt Petersburg. Beim fatalen Kartenspiel schaut er nur zu, und von der jungen Frau, die er anbetet, will er nicht einmal den Namen wissen, damit die Projektion nicht von der Wirklichkeit gestört wird. Und...