Extrem lernfähig

Steht er am Pult, herrscht Premierenfieber, noch in der x-ten Repertoirevorstellung. Als ob DANIELE RUSTIONI den musikalischen Apparat mit einem Kraftwerk verstöpseln würde. Das Resultat: eine steile internationale Karriere. Ein Gespräch über Chefpositionen, Klischees und musikalische Revolutionen

Herr Rustioni, Sie haben an der Oper Lyon eine neue Position. Was unterscheidet einen Musikdirektor vom Chefdirigenten?
Das bedeutet mehr Verantwortung. Nun entscheide ich zum Beispiel auch mit bei der Einladung von Gastdirigenten. Der neue Intendant Richard Brunel, Operndirektor Jochen Breiholz und ich kümmern uns um die großen Linien für die Spielzeiten. Es gibt auch vermehrt Koproduktionen mit anderen Häusern. Mit Aix-en-Provence etwa sind fünf Projekte vereinbart. Als Musikdirektor kann ich außerdem tiefer ins Repertoire eintauchen.

Geplant sind drei große deutsche Opern zur Saisoneröffnung, wir beginnen die kommende Spielzeit mit Wagners «Tannhäuser». Natürlich bleibe ich beim italienischen Repertoire, werde mich aber auch verstärkt um Deutsches, Französisches und Russisches kümmern. 

Müssen Sie beim deutschen Repertoire also einiges aufholen?
So würde ich das nicht ausdrücken. Als ich Korrepetitor war, kam ich schon damit in Kontakt. Ich hatte in Stuttgart außerdem eine etwas heikle Erfahrung mit dem «Freischütz» bei der Wiederaufnahme der legendären Inszenierung von Achim Freyer. Für mich war das ein kleiner künstlerischer Schock, aber sehr lehrreich. Kürzlich habe ich in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 6 2022
Rubrik: Interview, Seite 78
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
FEINE PROBEN

Ausgelassene Begeisterung klingt anders: «Das eigentliche Schauspielpublikum kam nicht auf seine Kosten, das Opernpublikum wusste nicht viel mit dem Molière anzufangen. Der Intendant hatte an einem Abend Schauspiel- und Opernpersonal zugleich einzusetzen, und statt zwei guten Einnahmen nur eine, noch dazu nur zweifelhafte !» Derart resigniert fiel 1912 das...

Marmor, Stein und Knickhalslaute

Franz Schreker war sein eigener Librettist. So konnte er sein musikdramatisches Lebensthema noch kompakter an den Mann bringen: das Verhältnis von Traumwelt und Realwelt, das Mit- und Gegeneinander von Kunst und politischem, privat-lebensweltlichem Alltag. Seine Oper «Der Schatzgräber» entstand in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Nach der Frankfurter Uraufführung...

Himmelhöchstes Weltentrücken

Am Ende, als die Buhrufe über Calixto Bieito niedergingen wie ein Platzregen, formte der spanische Regisseur mit den Händen ein Herz in Richtung seiner Kritiker, so als wolle er sagen: Das ist doch die Oper der alle Grenzen überschreitenden Liebe: Wagners «Tristan und Isolde». Direktor Bogdan Roščić hat dem Staatsopernpublikum, das bei Neuinszenierungen generell...