Kopf ohne Körper?
«Lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde, denn es soll ihnen nicht gestattet sein, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen...» Der frauenfeindliche Imperativ aus dem Ersten Korintherbrief, Kapitel 14, Vers 34 – als «mulier taceat in ecclesia» in die Kirchenpraxis übernommen –, hatte auch vokalästhetische Auswirkungen: Der auf diese Weise geförderte Einsatz von Knabenstimmen im sakralen Raum beeinflusst bis heute den Gesangsstil der Alten Musik (weit über den Bereich des Geistlichen hinaus).
Denn der kopfige, vibratoarme, körperlos-«reine» Klang wird dort oft auch von Frauen gefordert. So nutzt die Engländerin Lucy Crowe in ihrem Recital «Il caro Sassone – Handel in Italy» vor allem die Kopfresonanz, baut häufig auf vibratoarme, gerade Töne als Ausdrucksarsenal – wobei sie dies für meinen Geschmack übertreibt. Dass nämlich solch körperloser, vermeintlich «instrumentaler» Klang wichtiger Teil des artifiziellen barocken Gesangsstils sei, wie hier auch beim italienischen Händel vorgeführt, leuchtet nicht ein. Hat gerade das lateinische Barock der opulenten Körperlichkeit doch eine wesentliche Rolle zugewiesen (Nikolaus Harnoncourt erwähnt in diesem Zusammenhang gern die ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 23
von Gerhard Persché
Dass nach Ludwig Rellstab und vor allem Heinrich Heine in Schuberts «Schwanengesang»-Zyklus der biedere Johann Gabriel Seidl mit seiner «Taubenpost» das letzte Wort hat, will vielen partout nicht einleuchten. Eben noch der grausige «Doppelgänger» und gleich darauf das vermeintlich harmlose Antidot, der gefiederte Freund als Symbol romantischer Sehnsucht (es war das...
Kalt ist das Licht, das hinter einer durchsichtigen Lamellenwand erstrahlt, und der Wintermond macht eher frösteln, anstatt das Herz zu erwärmen. «Herr, mein Gott, erbarme dich unser!», lautet denn auch eine Gebetszeile in der Chor-«Ouvertüre», während sich schattenhaft eine Prozession durch den Schnee kämpft. «Russland in tiefer Nacht», heißt es dazu im...
Herr Skovhus, mit Aribert Reimanns «Lear» in Hamburg rücken Sie abrupt ins Großvaterfach vor.
Na ja, Fischer-Dieskau war 53 Jahre alt, als er den «Lear» uraufgeführt hat. Ich bin vier Jahre jünger, als er es damals war. Allerdings ist Lear, wie Sie wissen, überhaupt kein Großvater. Seine Töchter haben ihm keine Enkelkinder geschenkt. Er ist Vater. Testfrage...
