Kopf ohne Körper?
«Lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde, denn es soll ihnen nicht gestattet sein, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen...» Der frauenfeindliche Imperativ aus dem Ersten Korintherbrief, Kapitel 14, Vers 34 – als «mulier taceat in ecclesia» in die Kirchenpraxis übernommen –, hatte auch vokalästhetische Auswirkungen: Der auf diese Weise geförderte Einsatz von Knabenstimmen im sakralen Raum beeinflusst bis heute den Gesangsstil der Alten Musik (weit über den Bereich des Geistlichen hinaus).
Denn der kopfige, vibratoarme, körperlos-«reine» Klang wird dort oft auch von Frauen gefordert. So nutzt die Engländerin Lucy Crowe in ihrem Recital «Il caro Sassone – Handel in Italy» vor allem die Kopfresonanz, baut häufig auf vibratoarme, gerade Töne als Ausdrucksarsenal – wobei sie dies für meinen Geschmack übertreibt. Dass nämlich solch körperloser, vermeintlich «instrumentaler» Klang wichtiger Teil des artifiziellen barocken Gesangsstils sei, wie hier auch beim italienischen Händel vorgeführt, leuchtet nicht ein. Hat gerade das lateinische Barock der opulenten Körperlichkeit doch eine wesentliche Rolle zugewiesen (Nikolaus Harnoncourt erwähnt in diesem Zusammenhang gern die ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 23
von Gerhard Persché
Nina Stemme ist ohne Frage die beste dramatische Sopranistin unserer Zeit. Und sie sucht sich ihre Partien genau aus. Aida war, zwischen viel Wagner, eine Wunschpartie. Jetzt kommt die Minnie in «La fanciulla del West» hinzu. Und zwar in ihrer schwedischen Heimat. Christof Loy inszeniert.
Das Interesse an der Antike zieht sich durch die Operngeschichte. Nun hat...
Ginge es bei der Verteilung von Nachruhm gerecht zu, müsste Francesco Cavalli seinen Ehrentitel zur Hälfte einem anderen abtreten: Denn die Bezeichnung eines «Shakespeare der Opernbühne» beweist eigentlich schon per se, dass die Stellung des 1602 geborenen Venezianers als bedeutendster italienischer Opernkomponist zwischen Monteverdi und Alessandro Scarlatti nicht...
«Bumsti!», frohlockt der Baron, als die Bomben einschlagen. Da denkt man gleich an Karl Kraus’ «Die letzten Tage der Menschheit» und an Erzherzog Friedrich, den geistig limitierten Oberbefehlshaber der k.u.k. österreichischen Armee, der dies dort beim Betrachten von Manöverfilmen mit Mörserattacken entzückt ausruft. Bumsti! «Baron Münchhausen», die neue Oper...
