«Lass mir doch meinen Leichtsinn nur»
Irgendwie sei die Story dann doch ein bisschen dünn, hat jemand handschriftlich im Gästebuch vermerkt, das im Foyer des Osnabrücker Theaters ausliegt. Aber die Aufführung, na ja, die reiße das Ganze schon raus. Das trifft den Kern des Problems – und zielt ebenso haarscharf an ihm vorbei. Operette und tiefschürfend? Man spielte «ein Werk der leichtgeschürzten Muse», heißt es in Thomas Manns «Felix Krull». Eine Haltung, die seither zur künstlerischen Disqualifikation der Gattung gereichte.
Zumal bei Franz Lehár, dessen Spätwerk, die sogenannte «tragische Operette», ob ihrer Hinwendung zur Oper von nahezu keinem selbsternannten Hüter des guten Geschmacks verschont blieb.
Doch derlei Kritik ging stets allzu leicht über die Musik hinweg oder stellte diese ebenso unter den Generalverdacht der Minderwertigkeit. Wer sagt, die Aufführung kaschiere Mängel des Librettos, der meint natürlich auch die Musik. Doch offensichtlich hat eine jüngere Generation von Dirigenten und Regisseuren begonnen, Karl Kraus und Adorno im Fall Lehár zu misstrauen. Es ist neues Interesse zu spüren, das selbst zum traditionell operettenintensiveren Jahresende an den deutschsprachigen Theatern lange nicht ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Alexander Dick
Wer Zeit erfahren will, findet in Halberstadt dafür beste Voraussetzungen. Hier wird John Cages Werk «Organ2/ ASLSP» aufgeführt. Die Vortragsbezeichnung lautet «as slow as possible». Auf der Orgel mit ihren ewig zu haltenden Tönen wäre dieses Werk als nie endender Klang denkbar. So weit geht man in der Halberstädter Burchardikirche nicht, aber die immer noch...
«Lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde, denn es soll ihnen nicht gestattet sein, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen...» Der frauenfeindliche Imperativ aus dem Ersten Korintherbrief, Kapitel 14, Vers 34 – als «mulier taceat in ecclesia» in die Kirchenpraxis übernommen –, hatte auch vokalästhetische Auswirkungen: Der auf diese Weise geförderte...
Der Siegeszug der Barockoper auf dem modernen Musiktheater kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nur ein schmaler Ausschnitt aus der riesigen Überlieferung ist, der bisher wieder zum Leben erweckt wurde. Eine Statistik für die Jahre 1980 bis 2003 dokumentiert, dass genau die Hälfte der insgesamt 3320 Produktionen auf vier Komponisten entfällt: Händel, den...
