Konzept als Korsett
«Prendi quel ferro, barbaro!» Es ist eine der wütendsten, auch verzweifeltesten Arien des späten Barock, die 1742 Leonardo Leo seine Andromaca singen lässt. Nach dem Fall Trojas bietet Hektors Witwe einem Feind ihr Kind als Opfer an, um es zu retten: «Nimm das Schwert, du Bestie!» Komplizierte Geschichte, heftige Affekte, Ambivalenzen und Energien, die über jagendem Orchester die Stimme zur Weißglut bringen, aber auch zärtlich raunen lassen. Das alles macht Joyce DiDonato mitreißend auf ihrer neuen CD.
Man will die Arie wiederhören, auch wegen des überaus griffig spielenden Ensembles Il Pomo d’Oro. Für solche Entdeckungen lohnt es sich, Sammlungen wie diese zu belauschen, natürlich auch die bewährten Hits oder Bahnbrecher, die zu selten gespielt werden, wie das unfassbar riskante «Pensieri» aus Händels «Agrippina» (1709). Zuerst Unisonofetzen der Streicher, dann ein endloses einsames D der Sängerin, der eine ebenso einsame Oboe folgt, ehe sich alle Klangebenen zu einem Psychodrama verdichten. Man möchte solche Stücke gern hören, ohne gleich die ganze Oper besitzen zu müssen, und man möchte eine starke Stimme in verschiedenen Musiksprachen erleben.
Das ist für die ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Volker Hagedorn
An die 90 Jahre Operngeschichte konnte Hans Pischner überblicken: von Glucks «Orpheus und Eurydike», die er als Kind in Breslau gesehen hatte, bis zu Beethovens «Fidelio», den er – als Neuinszenierung von Harry Kupfer – am 3. Oktober dieses Jahres in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater aufmerksam mitverfolgte. Noch als Hundertjähriger erinnerte er sich...
Theaterhäuser gehören schon relativ lange zur Geschichte Australiens – doch dass es Freiluftaufführungen nach europäischem Modell gibt, ist eine Entwicklung neueren Datums, einfach, weil es in der Regel zu heiß ist. In der Premiere von Alan Johns «Sydney Opera House» – der ersten Neuinszenierung dieser «Oper zur Oper» (1995), jetzt auf dem Vorplatz derselben...
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