Auf der Höhe der Zeit

Die Legende vom Mord an Mozart hat den Ruf Antonio Salieris vergiftet. Nun endlich nimmt die historisch-kritische Beschäftigung mit seinem Werk Fahrt auf. Am Theater an der Wien macht sich René Jacobs für «Falstaff», Christophe Rousset für «Les Horaces» stark. Und an der Staatstoper dirgiert Marc Minkowski «Armide» von Salieris großem Vorbild Gluck.

Opernwelt - Logo

Verschwörungstheorien sind en vogue – sie können, wenn’s schlimm kommt, auch Referenden und Wahlen entscheiden. «Die Verleumdung ist schnell, die Wahrheit langsam», erkannte schon Voltaire. Ob der musikhistorische Rufmord an Antonio Salieri Mitschuld daran trägt, dass dessen Œuvre so lange in den dunklen Gewässern des Vergessens dümpelte, sei dahingestellt.

Doch selbst René Jacobs, Spiritus Rector der Aufführung von Salieris «Falstaff» am Theater an der Wien, gibt zu, dass er bislang vom Werk des Maestro aus Legnano nur wenig kannte, nicht zuletzt, weil die Musikwissenschaft sich kaum mit ihm beschäftigt habe. Dabei war Salieri ein gefeierter Mann auf der Höhe seiner Zeit – vielleicht allzu sehr auf diese fixiert und ohne die Visionen eines Gluck, Haydn, Mozart oder seiner eigenen Schüler Beethoven, Schubert, Liszt. Obwohl er etwa die tradierte Abfolge von Rezitativ und Arie in Frage stellte und größere Szenenzusammenhänge avisierte, was ihn als Zeitgenossen der Zukunft ausweist. Selbst wenn er auch darin ehrfürchtiger Schleppenträger Glucks blieb.

Mit «Falstaff» (1799) und einer konzertanten Aufführung von «Les Horaces» (1786) inszenierte das Theater an der Wien im Oktober quasi ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Affentheater

Ein hochmodernes Forschungslabor hat sich der Oberaffe Mustafà bauen lassen, um das Gefühlsleben der Menschen zu erforschen. Seine Horde konnte ihm ein Prachtexemplar einfangen, das nun in einem Glaskäfig gehalten und akribisch untersucht wird. Da sein Interesse längst nicht mehr dem Affenweibchen Elvira gilt, soll ihm sein Laborleiter Haly nun eine menschliche...

Editorial

Altenburg, Ost-Thüringen, Oktober 2016. Kurz vor dem Ende der Kundgebung am Roßplan richtet Frank Schütze, Sprecher des sogenannten «Bürgerforums Altenburger Land», noch einen Appell an «die Freunde» – für den Nachhauseweg, mit Blick auf eine kleine Gruppe lautstark protestierender Gegendemonstranten: «Bitte zertretet kein Geschmeiß.» Eine Stunde lang haben Schütze...

TV-Klassiktipps

ARD-ALPHA

9.12. – 19.30 Uhr
12.12. – 16.00 Uhr
KlickKlack.

Musikmagazin.

11.12. – 11.00 Uhr
Musik vereint.

Familienkonzert für Flüchtlinge.

11.12. – 20.15 Uhr
John Eliot Gardiner

dirigiert Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 5, D-Dur, op. 107.

18.12. – 11.00 Uhr
Benefiz-Gala.

Münchner Rundfunkorchester.

25.12. – 20.15 Uhr
Lorin Maazel dirigiert

Mahler: Symphonie Nr. 5.

 

arte

...