Kongenial
Zur Eröffnung der Spielzeit wartet das Haus in der elsässischen Kapitale mit einer Uraufführung auf, in der sich Musik-, Tanz- und Sprechtheater verbinden. Der schon für das Straßburger Arsmondo-Festival 2020 vorgesehenen Premiere hatte damals die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt erweist sich das Werk als Wurf.
Allein die Auswahl bühnentauglicher Episoden aus der riesigen Stoffmasse des indischen Mahabharata imponiert.
Die auf dem Subkontinent geborene französische Poetin und Tanztheater-Produzentin Karthika Naïr hat aus dem gewaltigen Epos einen Prolog und drei Akte destilliert; Komponist Thierry Pécou handelt sie in 90 Minuten musikalisch atemraubend ab. Zentrale Figur ist Prinzessin Amba, deren königlicher Vater ihr und den beiden Schwestern die freie Wahl der Bräutigame erlaubt. Erbost darüber, dass ihre heiratswilligen Sprösslinge nicht zur Kandidatur geladen werden, schickt die Herrscherin eines Nachbarreiches ihren von der Erbfolge ausgeschlossenen, durch ein Keuschheitsgelübde gebundenen Sohn aus, um die Prinzessinnen zu entführen, deren Vater zu töten und sein Reich zu vernichten. Amba fordert als Wiedergutmachung für die erlittene Schmach die Ehe ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Michael Kaminski
Elf Festivaltage, prall gefüllt mit ebenso vielen Produktionen in 24 Vorstellungen, dazu noch einige Begleitveranstaltungen von Gesprächsformaten bis zu Konzerten, bei denen zumindest zum Teil nicht ganz klar war, ob sie nicht durch ihren Performance-Anteil gleichfalls zum Szenischen gerechnet werden müssten: also doch 13 Produktionen, die 26-mal gegeben wurden?...
Es ist der vielleicht größte Albtraum eines Kritikers. Man betritt den Zuschauersaal, doch die Sache läuft bereits. Besonders schlimm: alles ist fast schon vorbei. Anfang September wurde ein solcher Albtraum zur Beinahe-Realität. Das Luzerner Theater hatte (in Kooperation mit dem Lucerne Festival) Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» angesetzt – als...
Der «Bajazzo» war für Ruggero Leoncavallo Segen und Fluch zugleich: 1892 gelang ihm mit diesem Einakter ein Welterfolg, der ihn bis heute unsterblich macht. Doch stand dieser Glücksfall allen weiteren kreativen Bemühungen des vielseitigen Komponisten im Weg. Seine ein Jahr nach Puccinis gleichnamiger Oper herausgekommene «Bohème» konnte sich ebenso wenig...
