Kongenial
Zur Eröffnung der Spielzeit wartet das Haus in der elsässischen Kapitale mit einer Uraufführung auf, in der sich Musik-, Tanz- und Sprechtheater verbinden. Der schon für das Straßburger Arsmondo-Festival 2020 vorgesehenen Premiere hatte damals die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt erweist sich das Werk als Wurf.
Allein die Auswahl bühnentauglicher Episoden aus der riesigen Stoffmasse des indischen Mahabharata imponiert.
Die auf dem Subkontinent geborene französische Poetin und Tanztheater-Produzentin Karthika Naïr hat aus dem gewaltigen Epos einen Prolog und drei Akte destilliert; Komponist Thierry Pécou handelt sie in 90 Minuten musikalisch atemraubend ab. Zentrale Figur ist Prinzessin Amba, deren königlicher Vater ihr und den beiden Schwestern die freie Wahl der Bräutigame erlaubt. Erbost darüber, dass ihre heiratswilligen Sprösslinge nicht zur Kandidatur geladen werden, schickt die Herrscherin eines Nachbarreiches ihren von der Erbfolge ausgeschlossenen, durch ein Keuschheitsgelübde gebundenen Sohn aus, um die Prinzessinnen zu entführen, deren Vater zu töten und sein Reich zu vernichten. Amba fordert als Wiedergutmachung für die erlittene Schmach die Ehe ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Michael Kaminski
Francesco Sacrati? War da nicht etwas? Der frühbarocke Opernkomponist galt neben seinem Kollegen Benedetto Ferrari lange als heißer Kandidat für den Einschub des Duetts «Pur ti miro», mit dem sich am Ende von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» das amoralische Paar Poppea/Nerone in den siebten Liebeshimmel hineinsingt. Die Quellen sprechen für Ferrari. Hörer...
Hoch über dem Tal ragen die baumbewachsenen Sandsteinfelsen der Bastei in den Abendhimmel, unten überwuchert sattgrünes Moos das Gestein, und mittendrin: Theater. Vielleicht treffen nirgendwo in Deutschland Natur und Kunst so nahezu plakativ schön aufeinander wie in der Felsenbühne Rathen.
Angelegt in den 1920er-Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg Ort der...
Das Theater für Niedersachsen widmet sich diese Saison dem «Hamlet»-Stoff auf mutige wie aufwendige Weise. Gleich drei Sparten – Schauspiel, Tanz und Musiktheater – stürzen sich leidenschaftlich in unterschiedlichen, modernen Sichtweisen auf das (ödipale) Drama um den Prinzen von Dänemark. Alle drei Umsetzungen spielen im selben Bühnenbild, das Anna Siegrot...
