Das Leben der Anderen
Das Theater für Niedersachsen widmet sich diese Saison dem «Hamlet»-Stoff auf mutige wie aufwendige Weise. Gleich drei Sparten – Schauspiel, Tanz und Musiktheater – stürzen sich leidenschaftlich in unterschiedlichen, modernen Sichtweisen auf das (ödipale) Drama um den Prinzen von Dänemark. Alle drei Umsetzungen spielen im selben Bühnenbild, das Anna Siegrot entworfen hat.
Francesco Gasparini (1661–1727) war wohl der erste Komponist überhaupt, der aus Shakespeares Drama eine Oper machte: 1705 für San Cassiano in Venedig.
Als Librettisten dienten ihm Apostolo Zeno und Pietro Pariati. Die Überlieferungssituation ist jedoch etwas schwierig. 1712 kam ein in London gedrucktes Songbook heraus, das einen Großteil der Arien enthielt; allerdings nur mit spärlichen Angaben zur Instrumentation. Der 1960 geborene Komponist Fredrik Schwenk nahm sich das Stück nun im Auftrag des Hildesheimer Hauses zur Brust – und schuf durch seine Neuinstrumentation und Neukomposition eine Art hochbarock-modernen Hybrid, mit dem die Geschichte um Ambleto eindringlich, lebendig und dramatisch erzählt wird.
So komplex die Überlieferungsgeschichte, so (gewohnt) komplex die Handlung: Nach einem Mordanschlag ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Arno Lücker
Das Lob stammt aus höchst berufenem Munde: «Ich hatte viele wunderbare Kollegen, die mich faszinierten. Da waren die mit den großartigen Stimmen, oder die feinen Musiker, oder die wunderbaren Schauspieler, oder die großen Persönlichkeiten. Aber George London – er hatte Alles.» Damit meinte die große Birgit Nilsson nicht nur Londons mächtige, bassig grundierte, in...
Die Augen, die Wangenknochen, die Bewegungen – es könnte eine Enkelin von Cher sein, gesegnet mit einer Stimme, hell, höhensicher, schlank, mit apartem Vibrato, die für Susanna oder Cleopatra taugt. Doch die Frau ist ein Kerl, wie alle hier, somit authentisch: Zur Zeit der Uraufführung 1729, als die Geistlichkeit ihre Mätressen schwängerte, verbot sie gleichzeitig...
Herr Schager, inwiefern genießen Sie es, wenn Sie eine Mörderpartie wie den Siegfried singen?
Wenn ich gesund bin, wenn alles klappt, genieße ich es tatsächlich sehr. Da gibt es immer wieder Momente, in denen man merkt: Jetzt ist man eins mit dem Publikum. Jetzt habe ich sie alle. Jetzt kommunizieren wir miteinander. Ganz merkwürdig ist das. Wenn man solche Momente...
