Frechheit siegt
Francesco Sacrati? War da nicht etwas? Der frühbarocke Opernkomponist galt neben seinem Kollegen Benedetto Ferrari lange als heißer Kandidat für den Einschub des Duetts «Pur ti miro», mit dem sich am Ende von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» das amoralische Paar Poppea/Nerone in den siebten Liebeshimmel hineinsingt. Die Quellen sprechen für Ferrari. Hörer von Sacratis «La finta pazza» allerdings werden wohl aufhorchen, wenn am Ende Achille und Deidamia ihre Hochzeit mit einem ähnlich magischen Duett feiern.
Ferrari, Sacrati und der aus Rom kommende Francesco Manelli waren die Protagonisten der venezianischen Oper seit der Öffnung des Teatro San Cassiano 1637 für ein zahlendes Publikum, gerieten gegenüber dem greisen Monteverdi und Cavalli aber historisch ins Hintertreffen, weil zwar die gedruckten Libretti ihrer Stücke überliefert, deren Noten aber verloren sind. Erst ein Zufallsfund förderte 1984 die Partitur von Sacratis «La finta pazza» zutage. Als Karnevalsoper im Januar 1641 in Venedig uraufgeführt, wurde «La finta» durch reisende Operntruppen in ganz Italien bekannt – und vier Jahre später sogar in Paris gespielt.
Die Erstaufnahme von Leonardo García Alarcón und ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 30
von Uwe Schweikert
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