Kochkurs mit Rosina Lickspittle
Harfenumrauscht und von Blechbläserchören vergoldet, ziert Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» auch in Amerika immer wieder den weihnachtlichen Gabentisch der Opernhäuser. In einem solch gottesfürchtigen Land könnte schließlich nichts besser auf das Fest einstimmen als die finale Versicherung, dass Gott der Herr die Hand uns reicht, wenn die Not aufs Höchste steigt.
Das kinderreiche Publikum, das am Nachmittag vor Heiligabend die Met füllte, bekam nun aber eine Premiere zu sehen, die nichts mehr ahnen ließ vom «Kinderstuben-Weihfestspiel», wie die Humperdincks das Werk einst augenzwinkernd im Familienkreis nannten.
In der Inszenierung von Richard Jones, die ursprünglich an der Welsh National Opera aus der Taufe gehoben wurde und über Chicago und San Francisco jetzt New York erreichte, wo sie dem Riesenhaus angepasst und gehörig aufgefrischt wurde, verwandelt sich «Hänsel und Gretel» von der Erbauungsoper in einen surrealistischen Bilderbogen. Statt graziler Engel wackeln wohlbeleibte Köche mit rosigen Schwellköpfigen in den Traum der beiden Kinder, statt einer Knusperhexe veranstaltet eine korpulente, zunächst vorbildlich nette Oma einen Kochkurs, der in Mehlwolken und ...
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