Auf der Suche nach dem Unsagbaren
In der Oper wird gesungen, im Melodram wird gesprochen. Schon lange hat sich diese merkwürdige Gattung aus dem breiten Musikleben verabschiedet, während die Oper als künstlerische Ausdrucksform nicht totzukriegen ist. Viele kennen Melodramen heute nur noch als experimentelle Werke – wie Schönbergs «Pierrot lunaire», der 1911 das Tor zur Moderne weit aufstieß. Vergessen ist das Melodram als Repräsentationskunst des deutschen Bürgertums, wie es sich um 1900, aber auch schon lange davor großer Beliebtheit erfreute.
Dass sich der Zeitgeschmack seit der letzten Blüte des Melodrams vor hundert Jahren geändert hat, liegt auf der Hand. Der Geschmack änderte sich, weil sich die Gesellschaft änderte. Was waren es für Künstler, was für ein Publikum, das da zu melodramatischen Rezitationsabenden, zu abendfüllenden Bühnenmelodramen ins Theater strömte und das geradezu sein ganzes Lebensgefühl in diesen Werken bestätigt fühlte?
s war ein ziemlich ungewöhnliches Stück, das da im Januar 1897 über die Bühne des Münchner Hoftheaters ging. «Königskinder. Ein deutsches Märchen» war angesetzt, geschrieben von einem gewissen Ernst Rosmer. Hinter dem Pseudonym, das war in der Presse bekannt, verbarg ...
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Dass ältere Operntexte, speziell solche aus dem 19. Jahrhundert, für heutiges Empfinden eine leichte Patina angesetzt haben, sei unbestritten. Muss man sie deshalb allerdings über weite Strecken gleich neu schreiben? Elke Heidenreich hat es mit ihrer «Bremer Fassung» von Adelheid Wettes Libretto zu Humperdincks «Hänsel und Gretel» versucht – und dem Werk damit...
Man kann sich nur ausmalen, welche Überwindung es Mary Ann McCormick gekostet haben mag, Stephan Mannteuffels Scheußlichkeit von Kleid zu tragen. Es soll ja vorkommen, dass Teenies solche blassen Tuchkonstruktionen für sexy halten – aber eine doch schon reifere Carmen? Ausgeschlossen! Trotzdem schlängelt die Sängerin solchermaßen eingewickelt in Lillas Pastias...
Das kommt vor und leider viel zu selten: dass man ein Stück, das man unzählige Male gehört hat und genau zu kennen glaubt, plötzlich wie zum ersten Mal und ganz neu erlebt. Mir ging es jetzt so mit einem Rundfunk-Mitschnitt des «Trovatore» aus der New Yorker Met von 1947, von dem ich mir allenfalls ein Stimmenfest erwartet hatte. Doch schon nach wenigen Minuten...
