Leuchtspur des Inneren

Zeichenhafte Wahrheit: Achim Freyer inszeniert in Mannheim Verdis «La traviata» |

Opernwelt - Logo

Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstö­renden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Ver­gnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter der wahren Liebe aber, der die schöne Kurtisane Violetta von einem Augenblick auf den andern verfällt, den Tod entziffert.

Denn um nichts anderes als um Liebe und Tod geht es in diesem Stück: «Amore e morte» war kaum zufällig der Titel, den Verdi seiner Oper ursprünglich geben wollte, was aber von der Zensur verboten wurde.
Verdi hat in seinem wohl populärsten Bühnenwerk mit dem Schicksal der 1847 im Alter von dreiundzwanzig Jahren gestorbenen Marie Duplessis einen zeitgenössischen Stoff des französischen Boulevardtheaters aufgegriffen. Das hat bis heute zu der irrigen Annahme geführt, «La traviata» sei der Prototyp des realistischen Musiktheaters, wie wir es dann bei Puccini und den italienischen Veristen finden. Verdis Realismus aber ist ein Realismus der Form, ja des Genres, und nicht der Handlung. Der Tanz ist es, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vivaldi: L'Olimpiade

«L’Olimpiade» wurde als erste Oper von zahlreichen, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in einem Piemon­teser Kloster und einer Privatbibliothek aufgefundenen Vivaldi-Autographen 1939 wieder aufgeführt. Erst jetzt wagte Heidelberg – nach Vivaldis «Motezuma» im Vorjahr – zum «Winter in Schwetzingen» im dortigen Barocktheater die deutsche Erstaufführung der...

Auf der Suche nach dem Unsagbaren

In der Oper wird gesungen, im Melodram wird gesprochen. Schon lange hat sich diese merkwürdige Gattung aus dem breiten Musikleben verab­schiedet, wäh­rend die Oper als künstlerische Ausdrucksform nicht totzukriegen ist. Viele kennen Melodramen heute nur noch als experimentelle Werke – wie Schönbergs «Pierrot lunaire», der 1911 das Tor zur Moderne weit aufstieß....

Als Drama ernst genommen

Das kommt vor und leider viel zu selten: dass man ein Stück, das man unzählige Male gehört hat und genau zu kennen glaubt, plötzlich wie zum ersten Mal und ganz neu erlebt. Mir ging es jetzt so mit ­einem Rundfunk-Mitschnitt des «Trovatore» aus der New Yorker Met von 1947, von dem ich mir allenfalls ein Stimmenfest erwartet hatte. Doch schon nach wenigen Minuten...