Leuchtspur des Inneren
Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstörenden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Vergnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter der wahren Liebe aber, der die schöne Kurtisane Violetta von einem Augenblick auf den andern verfällt, den Tod entziffert.
Denn um nichts anderes als um Liebe und Tod geht es in diesem Stück: «Amore e morte» war kaum zufällig der Titel, den Verdi seiner Oper ursprünglich geben wollte, was aber von der Zensur verboten wurde.
Verdi hat in seinem wohl populärsten Bühnenwerk mit dem Schicksal der 1847 im Alter von dreiundzwanzig Jahren gestorbenen Marie Duplessis einen zeitgenössischen Stoff des französischen Boulevardtheaters aufgegriffen. Das hat bis heute zu der irrigen Annahme geführt, «La traviata» sei der Prototyp des realistischen Musiktheaters, wie wir es dann bei Puccini und den italienischen Veristen finden. Verdis Realismus aber ist ein Realismus der Form, ja des Genres, und nicht der Handlung. Der Tanz ist es, der ...
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Frau Banse, die Wärme und Innigkeit Ihres Soprans erinnern an Vorgängerinnen wie Irmgard Seefried oder Sena Jurinac: an Sängerinnen von einst. Gehört Ihre Stimme einem aussterbenden Typus an?
Das glaube ich nicht. Aber die Art, wie bestimmte Partien zeitweise eher schwer und dann wieder sehr lyrisch besetzt werden, erweckt vielleicht diesen Eindruck. Jede...
Mit der heroischen Komödie «Tancredi», die er 1813 für Venedig schrieb, hatte der erst einundzwanzigjährige Rossini, wohl ohne es zu wissen, die Opera seria für sein Jahrhundert neu entdeckt und definiert. Ein heiterer, Dur-bestimmter Grundton durchzieht das fast durchweg ernste und dramatische Geschehen, das auf ein Trauerspiel von Voltaire (1760) zurückgeht. Im...
Mit ihrer mädchenhaften Ausstrahlung, ihrer unaufgesetzten Jugendlichkeit hat sie das Rollenbild von Mozarts Susanna ebenso geprägt wie das von Webers Ännchen. In Edith Mathis fanden diese beiden Partien ihre ideale Verkörperung, aber auch als Sophie im «Rosenkavalier», als Zdenka in «Arabella», als Pamina und nicht zuletzt als Cherubino war sie viele Jahre lang...
