Knisternde Erotik
Fantastischer, silbrig schimmernder Zauberwald, der sich wie von Geisterhand bewegt (und doch nur aus vielfach verzweigten Männerkörpern besteht) oder eine grüne Schlafzimmer-Traumlandschaft vor riesiger Mondsichel? Welches Ambiente wird Shakespeares berühmtester Komödie in der kongenialen Vertonung von Benjamin Britten aus dem Jahr 1960 besser gerecht?
Peter Halls Version für Glyndebourne aus dem Jahr 1981 ist klassizistisch märchenhaft.
Titania und Oberon tragen prächtige Renaissance-Kostüme und gewagte Haar-Kreationen, Ileana Cotrubas und James Bowman liefern den gepflegten Gesang dazu, sie mit ihrem unverkennbar leuchtenden Timbre, lyrisch fein ziselierend, er nobel, aber etwas anämisch gestaltend. Puck ist ein nölender rothaariger kleiner Junge, der durch die Lüfte fliegen darf, die Elfen harmlose Geister. Die beiden leider optisch wie musikalisch nicht mehr ganz taufrischen Liebespaare tragen gediegene Kleidung, die im Verlaufe der Wirrnisse im Athener Wald nur wenig Spuren von Flucht in unwegsamer Natur zeigt. Und der Kampf der Frauen um die Männer und untereinander bleibt immer voller Zurückhaltung. Auch die Liebesnacht der Elfenkönigin mit einem Esel entbehrt ...
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An einer streng traditionellen «Don Giovanni»-Inszenierung, die allerdings mit höchster Präzision und psychologischer Durchdringung erarbeitet werden muss, könnte man erkennen, wie eine scheinbar fest geordnete Gesellschaft durch Außerkraftsetzen von Ordnung und Moral zerstört wird. Das Ancien Régime war so eine Sozietät, die Mozart im Blick hatte, als er seinen...
Die Idee ist bestechend, wiewohl sie Dietrich Hilsdorf schon vor zehn Jahren als Urgrund seiner Auseinandersetzung mit Mozarts «Entführung» verwendet hatte, seinerzeit in Gelsenkirchen. Kein Harem irgendwo, sondern ein Saal eines Schlosses in der k. u. k.-Hauptstadt bildet den Spielort für seine Inszenierung. Dieter Richter hat ihm für Leipzig einen von der...
Glucks «Alceste», mit der Mozart, Cherubini, Berlioz und Wagner sich komponierend auseinander gesetzt haben, gehört zu den hochgerühmten, aber selten gespielten Schlüsselwerken der Operngeschichte. Gluck hat das im Stoff wie in der Anlage auf Euripides zurückgehende kultische Drama ursprünglich auf einen Text Calzabigis 1767 für Wien geschrieben und das Werk 1776...
