Knisternde Erotik
Fantastischer, silbrig schimmernder Zauberwald, der sich wie von Geisterhand bewegt (und doch nur aus vielfach verzweigten Männerkörpern besteht) oder eine grüne Schlafzimmer-Traumlandschaft vor riesiger Mondsichel? Welches Ambiente wird Shakespeares berühmtester Komödie in der kongenialen Vertonung von Benjamin Britten aus dem Jahr 1960 besser gerecht?
Peter Halls Version für Glyndebourne aus dem Jahr 1981 ist klassizistisch märchenhaft.
Titania und Oberon tragen prächtige Renaissance-Kostüme und gewagte Haar-Kreationen, Ileana Cotrubas und James Bowman liefern den gepflegten Gesang dazu, sie mit ihrem unverkennbar leuchtenden Timbre, lyrisch fein ziselierend, er nobel, aber etwas anämisch gestaltend. Puck ist ein nölender rothaariger kleiner Junge, der durch die Lüfte fliegen darf, die Elfen harmlose Geister. Die beiden leider optisch wie musikalisch nicht mehr ganz taufrischen Liebespaare tragen gediegene Kleidung, die im Verlaufe der Wirrnisse im Athener Wald nur wenig Spuren von Flucht in unwegsamer Natur zeigt. Und der Kampf der Frauen um die Männer und untereinander bleibt immer voller Zurückhaltung. Auch die Liebesnacht der Elfenkönigin mit einem Esel entbehrt ...
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Die Schlachten waren längst geschlagen, und in Erinnerung blieben die Momente der Überwältigung. «Ja, so ein sieghaftes hohes C, wie’s die Mali gehabt hat, bleibt in Herz und Ohr», schrieb Hans Richter, der erste «Ring»-Dirigent, an Amalie Materna, Wagners Brünnhilde von 1876. Der Brief stammt aus dem Jahr 1911. Da hatte Materna ihre Karriere schon fast zwanzig...
Der «Lohengrin»-Frust sitzt offenbar tief bei Barrie Kosky. Während seiner Arbeit an Brittens «Sommernachtstraum» ließ er über die Medien erst mal jede Menge Wien-Schelte vom Stapel, um zu betonen, wie unvergleichlich viel freier die Produktionsbedingungen im hanseatisch aufgeschlossenen Bremen seien. Aber das Ergebnis zeigte dann, dass ein bisschen mehr...
Glucks «Alceste», mit der Mozart, Cherubini, Berlioz und Wagner sich komponierend auseinander gesetzt haben, gehört zu den hochgerühmten, aber selten gespielten Schlüsselwerken der Operngeschichte. Gluck hat das im Stoff wie in der Anlage auf Euripides zurückgehende kultische Drama ursprünglich auf einen Text Calzabigis 1767 für Wien geschrieben und das Werk 1776...
