Knetbare Masse
Pallas Athene hat noch immer allen Grund zu weinen. Denn dass die Welt aus den Fugen zu geraten droht, beweist auch die erneute Hausse des Populismus: Hass-Postings statt durchdachter Argumente; impulsives Massengeschrei statt individueller Vernunft. Als Ernst Krenek in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre an «Pallas Athene weint» schrieb, schien die braune Massenverdummung gerade erst überwunden; doch dass die Menschheit sich entscheidend ändern würde, hat der Komponist selbst nicht glauben wollen.
Und so endet diese Oper denn auch mit der schlimmsten aller Möglichkeiten, dem Sieg der faschistischen Diktatur – in diesem Falle jener aus Sparta über die Freidenker Athens. Und dies mit Hilfe athenischer Populisten, Opportunisten und Intriganten. Die Bürger, so heißt es in Kreneks eigenem Text, seien knetbar, auf ihnen würde gespielt wie auf einer Harfe.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen den beiden klassischen griechischen Machtzentren steht dabei Sokrates, der das Geschehen quasi in Retrospektive aus dem Elysium erzählt. Und der mit seinen Prinzipien letzlich wirkungslos blieb gegenüber jenen Machtmenschen, deren Engstirnigkeit als Stärke missverstanden wird. Wie aktuell. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Gerhard Persché
Rechts steckt die Dame vom Sicherheitsdienst ihre Nase in den Rucksack eines Studenten. Ein Riesenriechorgan aus Latex. Und links an der Saaltür blitzen von der Schulter des Programmverkäufers goldene Epauletten: Das Einlasspersonal, das die schnatternden Massen durch das baubedingt unübersichtliche Foyer schleust, stimmt schon mal auf Schostakowitschs «Nase» ein.
...
Das größte Kompliment, das Mozart je einer Sängerin machte, galt der von ihm nicht nur als Gesangskünstlerin angehimmelten jungen Aloysia Weber: Sie habe die für sie komponierte Konzertarie «Non sò d’onde viene» KV 294 mit genau jenem Geschmack (gusto), jener Methode (metodo) und jenem Ausdruck (espressione) gesungen, die er sich gewünscht habe. Von Gesangstechnik...
In den letzten, pompös-auftrumpfenden, musikalisch aber brüchigen Takten verschwindet er: Calaf, der Prinz aus der Fremde, der Turandot so sehr begehrt, dass er für sie sein Leben aufs Spiel setzt. Verschwindet in der Menge, die soeben noch rabiat seine Verbindung mit Turandot eingefordert hat. Calaf aber traut dem Frieden nicht (ganz wie einst Puccini), und er tut...
