Knetbare Masse

Krenek: Pallas Athene weint Wien / Neue Oper

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Pallas Athene hat noch immer allen Grund zu weinen. Denn dass die Welt aus den Fugen zu geraten droht, beweist auch die erneute Hausse des Populismus: Hass-Postings statt durchdachter Argumente; impulsives Massengeschrei statt individueller Vernunft. Als Ernst Krenek in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre an «Pallas Athene weint» schrieb, schien die braune Massenverdummung gerade erst überwunden; doch dass die Menschheit sich entscheidend ändern würde, hat der Komponist selbst nicht glauben wollen.

Und so endet diese Oper denn auch mit der schlimmsten aller Möglichkeiten, dem Sieg der faschistischen Diktatur – in diesem Falle jener aus Sparta über die Freidenker Athens. Und dies mit Hilfe athenischer Populisten, Opportunisten und Intriganten. Die Bürger, so heißt es in Kreneks eigenem Text, seien knetbar, auf ihnen würde gespielt wie auf einer Harfe.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen den beiden klassischen griechischen Machtzentren steht dabei Sokrates, der das Geschehen quasi in Retrospektive aus dem Elysium erzählt. Und der mit seinen Prinzipien letzlich wirkungslos blieb gegenüber jenen Machtmenschen, deren Engstirnigkeit als Stärke missverstanden wird. Wie aktuell. ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Gerhard Persché

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