Klug gestaltet
Wenn eine Sopranistin unserer Zeit mit besonderer Emphase als «Mozart-Sängerin» bezeichnet werden kann, dann Dorothea Röschmann. Obwohl sie ein breites Repertoire beherrscht, neben Agathe («Freischütz») auch die Marschallin («Rosenkavalier») oder Elsa («Lohengrin») singt, stehen die großen Sopranpartien Mozarts bis heute im Mittelpunkt ihres Wirkens. Nach einigen Gesamtaufnahmen (Pamina unter Claudio Abbado, Gräfin unter Nikolaus Harnoncourt u. a.) legt Dorothea Röschmann jetzt ein Album vor, das sieben Opern- und eine Konzertarie enthält.
Schon der Einstieg ist, im Wortsinne, furios. Rezitativ und Arie der Elettra aus dem letzten Akt des «Idomeneo» sind vokales Theater erregender Art. Röschmann versteht es, den Worten singend Nachdruck zu verleihen, Akzente zu setzen und mit ihren Mitteln so zu haushalten. Selbst eine Tour de force von expressiver Hochspannung wie «D’Oreste, d’Ajace» meistert sie, ohne an Grenzen zu stoßen.
In den Arien der «Figaro»-Gräfin zeigt die Sängerin, dass sie auch das andere Extrem beherrscht. In «Porgi amor» fließt die Stimme in schönster Weise, für «Dove sono» findet sie zunächst genau jenen sakralen Ton, der hier am Platze ist, um im Allegro-Teil der ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Thomas Seedorf
Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.
Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht...
Und die Oper? Das war die Frage, als Andreas Beck im Herbst 2015 vom Schauspielhaus Wien als Intendant ans Theater Basel kam. Sie stand umso dringender im Raum, als Beck sein Amt von Georges Delnon übernahm, einem Vertreter des Musiktheaters, der inzwischen an die Oper Hamburg wechselte. Wer den Basler Spielplan mit seinem starken Akzent im Schauspiel betrachtete,...
Das ist keine Prahlerei, das ist ein Liebesgeständnis: Der Dirigent Michael Schønwandt kennt «Maskarade» von Carl Nielsen auswendig – und zwar «seit ich zehn Jahre alt bin», erzählte er Ende April bei dänischem Bier im Kopenhagener «Tivoli». Und wie man Nielsen im Orchester spielen muss, hat er bei der Gelegenheit auch erklärt: «Nicht zu dick. Dann klingt er wie...
