Spektakeln in den Leerlauf
Ob Gott tot ist? Zumindest gibt es hübsche Einspielungen aus seiner Heimat. Kantabel ausgebreitete Fragen («T’è noto Faust?») nebst Himmels-chören, von seinem gefallenen Engel immer wieder gern abgespielt, mutmaßlich zur häretischen Ergötzung. Das Grammophon nutzt Mefistofele dafür, hier, in seiner schwarzschwülen Hölle. Dass er darauf eine Vinyl- statt der korrekten Schellack-Scheibe platziert – was soll’s, nur ein Detail.
Dafür dröhnt Münchens Nationaltheater bald im Dolby-Surround-Sound von den Dur-Eruptionen der Heerscharen, während sich Lack-Leder-Wesen um Heinrich Faust bemühen. Was für eine Bild-Klang-Explosion, so hintergründig kann es gern weitergehen.
Tut es aber nicht. Wobei die Bayerische Staatsoper wahrlich nicht an teuren Zutaten für die dortige szenische Erstaufführung von Arrigo Boitos «Mefistofele» gespart hat. Bühnenbildner Piero Vinciguerra hat Roland Schwab ein gebogenes Gerüst gebaut, das eine Spur zu verdächtig an Götz Friedrichs Berliner «Ring»-Zeittunnel erinnert. Was sich darin abspielt: Oktoberfest-Humtata vor Kettenkarussel, Taschenspielertricks mit dem Feuer, zur Walpurgisnacht geraten die Hubpodien außer Kontrolle. Heinrich wird auf einer Schicki-Party ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise...
Alessandro Stradellas «La Doriclea» hat eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Der Dreiakter wurde erst 1938 von dem Rieter Organisten Mario Tiberti entdeckt – und galt nach dem Zweiten Weltkrieg schon wieder als verschollen. Trotzdem gab es 2004 im Rahmen eines Festivals bei Siena ein konzertantes Revival auf Grundlage einer Transkription, die Tiberti einst...
Hoch hinaus ging’s an der Lindenoper schon immer. Das gilt auch für die Kosten der Sanierung der 1792 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für Friedrich II. errichteten Hofoper. Nicht 239 Millionen Euro, wie ursprünglich verkündet, auch nicht 288 Millionen, wie zwischenzeitlich berechnet, sondern 389 Millionen Euro wird die Rundumerneuerung der Berliner Staatsoper...
