Die da oben, die da unten
Und die Oper? Das war die Frage, als Andreas Beck im Herbst 2015 vom Schauspielhaus Wien als Intendant ans Theater Basel kam. Sie stand umso dringender im Raum, als Beck sein Amt von Georges Delnon übernahm, einem Vertreter des Musiktheaters, der inzwischen an die Oper Hamburg wechselte. Wer den Basler Spielplan mit seinem starken Akzent im Schauspiel betrachtete, konnte erst recht stutzig werden. Indes sorgen Andreas Beck und seine Operndirektorin Laura Berman durchaus auch im Bereich des Musiktheaters für spektakuläre Momente.
Fürs Ende der Spielzeit im Juni nächsten Jahres ist nichts Geringeres als «Donnerstag aus Licht» von Karlheinz Stockhausen angekündigt. Und zum Auftakt gab es «Chowanschtschina» von Modest Mussorgsky – auch nicht gerade ein Kinderspiel, zumal für ein Dreispartenhaus.
Das Rezept für diesen Abend bestand in der Verpflichtung eines Leitungsteams, das im weitesten Sinne der russischen Tradition entstammt. Auch die tragenden Partien des Stücks waren Sängern russischer Schule anvertraut. So ergab sich gewissermaßen ein «authentisches» Bild – und das umso mehr, als die Inszenierung ein Gestern zeigte, das auch ein russisches Heute sein könnte. Anfangs werfen ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Peter Hagmann
1956: einer der größten Skandale, die Bayreuth erlebt hat. Wieland Wagner inszenierte die «Meistersinger» ohne Nürnberg. Keine Butzenscheiben, kein Lokalkolorit, keine betulichen Bieder-Bürger, wie sie noch 1951 nach der Wiedereröffnung auf dem Grünen Hügel zu sehen waren. Der zweite Akt – nur eine sich nach hinten windende Pflasterstraße und eine große...
Das Streichersextett spielt die ersten Akkorde, da zerreißt ein Heulton den kammermusikalischen Wohlklang. Fliegeralarm, wie üblich. Die Musiker tragen ihre Geigen und Celli gelassen Richtung Bunker, der Hausdiener klappt routiniert den Deckel des Spinetts zu und wartet die Bomben ab. Wir befinden uns im Jahr 1942, zur Zeit der Uraufführung von Richard Strauss’...
The Story of Semele», das 1744 uraufgeführte Oratorium Händels, hat seit 1925 den Weg auf die Opernbühne gefunden, und neuerdings wird es mindestens einmal jährlich neu inszeniert. Nicht einmal Spezialisten wussten aber von einer merkwürdigen Aufführung im Schiller-Jahr 1905. Christiane Wiesenfeldt rekonstruiert im neuesten Band der «Göttinger Händel-Beiträge» eine...
