Berühren statt rühren

Aus Zürich: Bergs «Wozzeck» mit Christian Gerhaher und Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» mit Olga Kulchynska

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Tri-tra-trullala? Gewiss nicht. Der Kasperle, der da im Drillich über die Puppenbühne hetzt, ist nicht der fröhliche Freund der Kinder, sondern eine geschundene, im Wahn zum Mörder werdende Figur. Es ist die Geschichte vom armen Soldaten, dem nach experimentellem Dörrbohnengenuss die Birne weich wird – von Georg Büchner aufgegriffen und von Alban Berg genial in Musik gesetzt.

Dass das Publikum sich indes am Schicksal eines armen Teufels sentimental erbauen könnte, fand Andreas Homoki obszön.

Also entschied der Regisseur der Zürcher Inszenierung von Bergs «Wozzeck» sich gegen jede «Arme-Leut»-Romantik und für eine extreme Stilisierung als makabres Puppentheater nach Art von «Punch and Judy». Zur Kenntlichkeit verzerrtes (Un-)Menschentum, mit Menschen aus Fleisch und Blut als grotesken Puppen. Der großartige Wozzeck Christian Gerhahers (seine Leistung in dieser Partie brachte dem Bariton den Titel «Sänger des Jahres» ein) ist als Einziger nicht der Karikatur anheim gegeben. Dass auch bei ihm durch die Stilisierung ein V-Effekt bleibt, der die Figur unserem undifferenzierten Mitleid entzieht, kommt dem Sänger entgegen, der einmal feststellte: «Es gibt einen notwendigen Unterschied ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché

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