Kleine Seelen

Tobias Kratzer inszeniert Verdis «Macbeth» in Hamburg psychologisch plausibel als Familientragödie

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Sieht so eine künftige Königin aus? Wohl kaum. Lady Macbeth, der man so Vieles (meist Böses) angedichtet hat im Verlauf der Rezeptionsgeschichte von Giuseppe Verdis Melodramma, das erstaunlicherweise nicht ihren Namen trägt, erscheint in schlichter Alltagskleidung auf der Bühne. Jeans, T-Shirt, flache Schuhe; sie könnte auch eine Studentin sein oder eine ganz «gewöhnliche» Frau. Damit nicht genug der Änderungen. Die «Lady» hat auch noch ein Kind, genauer: einen Jungen.

Und dem liest sie nun ebenjenen Brief vor, mit dem Giuseppe Verdi seine weibliche Hauptfigur, ungeachtet aller Konventionen, die ihm der Belcanto ins Opern-Stammbuch geschrieben hat, einführt. Der Gatte ist schon hier kein «Held», sondern in erster Linie ein liebender Vater. Sitzt da, in Hemd und Hose, auf dem Teppich, und versucht seinem Filius die Geheimnisse eines Modellautos näherzubringen. Kleinfamilienalltag.

Tobias Kratzer wehrt sich mit diesem Bild gegen das Deutungsklischee, das Paar würde auf dem gemeinsamen Weg erst zum Thron und dann in den Wahn von einem unerfüllten Kinderwunsch geleitet. Nichts da: Es ist der pure Wille zum gesellschaftlichen Aufstieg, der die beiden steuert, wobei Nino Machaidze mit ...

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Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten

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