Eine große Verheißung
Fröhlich singende Kinder und mondän gekleidete Damen, idyllische Schäferspielchen und kitschiger Kunstgenuss: Der Rahmen dieser schönen heilen Welt ist brüchig, sein Holz morsch. Roland Schwab setzt Tschaikowskys Seelenschmerzdrama «Pique Dame» in den Kontext krasser gesellschaftlicher Verwerfungen.
Der Regisseur bettet die private Tragödie um die kompromisslos gefühlsehrliche Lisa, ihren ungeliebten Verlobten Jelezki und den sie heftig begehrenden Hermann in das Panorama einer dekadenten High Society, die ihren Glamour mal am Spieltisch, mal beim verzückt-akklamierten Vortrag eines romantischen Liedes feiert. Ob diese Party in Sankt Petersburg, in New York oder München steigt, ist zweitrangig. Russisches Kolorit braucht es nicht, um in eindringlicher Abstraktion, in berührenden Traumsequenzen und mit psychologischer Präzision gesellschaftliche Muster zu veranschaulichen.
Da marschiert also der vorzüglich russisch singende Kinderchor in seinen piekfeinen Upper-Class-Kostümchen (Gabriele Rupprecht) stramm in Reih und Glied auf – mit Gewehren im Anschlag. Wird hier das Kanonenfutter für künftige Kriege herangezüchtet? Kaum mehr braucht es, um Puschkins Geschichte und Putins ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Peter Krause
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