Klartext
Die Sache liegt lange zurück. Sehr lange. Drei Jahrzehnte waren verstrichen, als sie wieder zum Vorschein kam. Allerdings erst auf den zweiten oder dritten Blick. Und sichtbar wurde sie nur für Zeitzeugen, denen plötzlich wieder einfiel, was damals wirklich vorgefallen war. Die wussten, was hinter der pauschalen Kritik an jenen damals jungen Opernregisseuren der DDR steckte, die Harry Kupfer kurz vor seinem 80. Geburtstag in einem Gespräch mit dieser Zeitschrift geäußert hatte (siehe OW 8/2015).
Wir hatten den ehemaligen Chefregisseur der Komischen Oper unter anderem gefragt, warum an «seinem» Haus vor der Wende praktisch kein bedeutender Theaterkünstler der Nachkriegsgeneration inszenieren durfte. Kupfers Erklärung: «Ich hatte den Eindruck, dass bei vielen das Ego wichtiger war als die Geschichte, die erzählt werden sollte. Dass viele sich mit an den Haaren herbeigezogenen Ideen oder grellen Bildern interessant machen wollten. Auf Kosten der Stücke, der Texte und der Musik. ... Das waren für mich verlorene Talente. Wenn visuelle Mätzchen, vordergründige Provokationen die Personenregie ersetzen, dann steige ich aus. ... Die Figuren müssen mich fesseln, ich muss spüren, was in ihnen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Albrecht Thiemann
Viele Jahre sprang an Berlins Staatsoper René Jacobs mit Barockopern in die Bresche, wenn Daniel Barenboim mit der Staatskapelle auf Reisen ging – und triumphierte. Verflossene Zeiten. Diesmal, das Orchester weilte in Japan, zelebrierte man im Ausweichquartier Schiller Theater den «Mord an Mozart»: ein extravaganter Musiktheater-Versuch, eine Collage aus...
Die Bühne bleibt schwarz, während die Polonaise zum dritten Akt erklingt. Barrie Kosky zeigt uns keinen Ball beim Fürsten Gremin. Das Schweigen der Bilder könnte ein Gleichnis sein für das Trauma, unter dem Jewgeni Onegin leidet, seit er seinen Freund Lenski im Duell getötet hat. Das Schweigen der Bilder könnte aber auch hier, an der Komischen Oper Berlin, Ausdruck...
Sieben Stücke für das Musiktheater hat er geschrieben, darunter ein Werk über «Gilgamesch», das älteste Epos der Literaturgeschichte, und eine Reflexion über den Orpheus-Mythos: «Der unendliche Gesang». Das Unabschließbare, Uneinholbare, Ungeordnete ist überhaupt der mentale Ausgangs- und Angelpunkt des Komponisten, dem das Kuratorium der Ernst von Siemens...
