Verdis Amneris schreibt Briefe
Die wichtigste Sängerin in Verdis Leben nach Giuseppina Strepponi, der ersten Abigaille im frühen «Nabucodonosor», war die aus der Nähe von Prag stammende Teresa Stolz(ová). Bei den Proben zu «Aida», in der sie 1872 die Titelrolle sang, und zur «Messa da Requiem» kam ihr der Komponist so nahe, dass Strepponi, nach langen Jahren als Konkubine schließlich Verdis zweite Ehefrau, der Kragen platzte. Am Ende blieb Stolz vertraute Freundin und sollte jeden Sommer ein paar Wochen mit dem Ehepaar Verdi in der Toskana kuren.
Weniger intim, aber nicht weniger herzlich waren die Beziehungen Verdis und seiner Ehefrau zu Maria Waldmann, der Amneris in der europäischen Erstaufführung der «Aida» und der ersten Mezzosopranistin in der «Messa da Requiem». Mit beiden Sängerinnen tauschte Verdi regelmäßig Briefe. Mit einiger Sicherheit wäre aus den Mitteilungen an Stolz wesentlich mehr über seine Einschätzung der zeitgenössischen Opernverhältnisse zu erfahren. Denn in den Briefen an Waldmann geht er nur selten aus der Reserve. Die Briefe an Stolz sind zwar weitgehend erhalten (seit Jahren versucht ein Mailänder Privatmann, sie meistbietend zu verkaufen), aber nicht zugänglich – nur diejenigen, die ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Anselm Gerhard
Ehebruch und Scheidung, ein verheirateter evangelischer Pastor und seine Gemeinde, ein en detail nachgestellter protestantischer Gottesdienst: Man könnte meinen, das sei mehr, als ein italienisches Opernpublikum um 1850 vertragen konnte, von der Zensur ganz zu schweigen. Tatsächlich wurde Verdis «Stiffelio» im damals österreichisch regierten Triest und Venedig nach...
Grau verhangen, öde ist diese Landschaft. Seile hängen ins Bild. Verkohlte Sparren, bröckelnde Grabsteine, bandagierte Leichen, Betonbunker. Wie ein schwarzer Faden zieht sich dieses Ambiente durch Daniele Abbados «Attila»-Inszenierung, die als Koproduktion mit Venedigs La Fenice und dem Teatro Massimo in Palermo entstand. Bekanntlich geht es in Verdis neunter Oper...
Eigentlich ist diese DVD nicht rezensierbar. Denn der für die Bildregie verantwortliche Tiziano Manchini und sein Team haben die Aufführung des Dresdner «Freischütz» nicht in den Griff bekommen. Genauer: Sie sind an ihrem Dunkel gescheitert. Von der Wolfsschlucht sieht man so gut wie gar nichts, auch die anderen Szenen versacken. Zudem war die Kameraaufstellung...
