Klangspuren der Nacht

Mutige Entscheidung: Weimar eröffnet die Spielzeit mit Chaya Czernowins Kammeroper «Pnima...ins Innere»

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Wer sich auf eine Expedition ins Innere von Chaya Czernowins «Pnima»-Partitur einlässt, stößt erst einmal auf drei eng bedruckte Seiten Spielvorschriften. Gut fünfzig Sonderzeichen und rund zwei Dutzend Kürzel, dazu Erläuterungen zu Dynamik, Lautbildung, Klangfarben und Tonhöhen benötigt die israelische Komponistin, um ihre Klangvorstellungen auf Notenpapier festzuhalten. Denn was Czernowin in diesem Stück zu sagen versucht, ist eigentlich unsagbar. Es ist etwas, das vor und jenseits der Sprache liegt.

Ein Kind trifft einen merkwürdigen Alten, setzt alles daran, dessen Geschichte zu erfahren, doch es fehlt das Wort. Was machtvoll nach außen dringt, sind wunde, schreiende Gefühle. Vokale und Konsonanten strömen wie zufällig hervor, un(be)greifbar, mehr emotionale Rufzeichen als Bausteine potenziellen Sinns. Die Ordnung des Sprechens ist außer Kraft gesetzt, die Verständigung ganz (un)reiner Klang geworden. Komplexer, ge­räuschhafter, bedrängender Klang. Man spürt, dass diese Musik aus der Nacht kommt, aus dem Dunkel der Traumata. Eine Musik, die nicht von etwas erzählt, sondern seelische Ka­tas­trophen vergegenwärtigt – plastisch, verstö­rend, beklemmend.
Chaya Czernowin hat die für ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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