Klang und Körper
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht weiß, was sie tut, das aber mit einer Insistenz, die sie am Ende den Kopf kostet.
Reinhild Hoffmann positioniert ihre Protagonistin auf dem rechten Teil der diagonal geteilten Bühne Dieter Hackers, und so wie sie Anne Lünenbürger präsentiert, entzieht sich das einer gängigen Rollenvorstellung. Da ist kein Klischee. Das Bewegungskonzept entwickelt sich vielmehr aus dem Körper dieser Salome, und der wirkt in jedem Augenblick authentisch als Ausdruck einer inneren Notwendigkeit: lustvoll und lasziv zugleich. Reinhild Hoffmann ist von Haus aus Choreografin. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie sich und damit die anderen gehen lässt. Selbst den «Tanz der sieben Schleier», wahrhaft eine große Nummer, hat die Opernregisseurin ganz zurückgenommen. «Geradezu ungelenk», wie Guido Fischer in der Frankfurter Rundschau schreibt, ...
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In einer Zeit, in der jedes deutsche Provinztheater «Jenufa» auf Tschechisch und «Eugen Onegin» auf Russisch spielt, wobei die Sänger, die sich ihren Text phonetisch eingehämmert haben, nicht verstehen, was sie singen (und das Publikum erst recht nicht), ist die Renaissance der Rundfunkaufnahmen aus der Zeit des Wirtschaftswunders ein heilsames Korrektiv. Statt der...
Der neue Mann hat bereits geurteilt: Dieses Opernhaus sei renommiert, aber «etwas heruntergekommen». Aviel Cahn, der neue Chef der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent, hielt sich mit garstigen Bemerkungen über seinen Vorgänger Marc Clémeur nicht zurück. In den achtzehn Jahren von Clémeurs dortigem Wirken habe sich eine «gewisse Laisser-faire-Stimmung breit gemacht»....
Ein magischer Ort. Richard Wagner beschreibt ihn in seiner Autobiografie «Mein Leben» eher unverfänglich: «Wir waren uns jetzt durch die unmittelbare, eigentlich ländliche Nachbarschaft so nah gerückt, dass eine starke Vermehrung der Beziehungen bloß durch die einfache tägliche Berührung nicht ausbleiben konnte.» Sic! Wer sich heute in Zürich auf die Suche nach...
