Der Entdecker
Der neue Mann hat bereits geurteilt: Dieses Opernhaus sei renommiert, aber «etwas heruntergekommen». Aviel Cahn, der neue Chef der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent, hielt sich mit garstigen Bemerkungen über seinen Vorgänger Marc Clémeur nicht zurück. In den achtzehn Jahren von Clémeurs dortigem Wirken habe sich eine «gewisse Laisser-faire-Stimmung breit gemacht». Cahns Pläne wollen über den «engen Zirkel der Mozart-Verdi-Wagner-Freunde» hinausreichen, sie soll gesellschaftlich relevant sein und Kontexte schaffen.
Kann sein, dass Cahn hier eine verengte Optik hat.
Clémeurs Zeit als Intendant der Flämischen Oper war insgesamt eine erstaunlich hochwertige, und sie ist auch qualitativ zum Ende hin nicht weggebrochen. Das lag daran, dass es neben Produktionen von durchaus ordentlichem Niveau regelmäßig Schübe der Spitzenkunst gab. An ihnen waren konsequent drei Regisseure beteiligt: Robert Carsen, der mit Altmeister Silvio Varviso einen wunderbaren Puccini-Zyklus gestaltete (sogar mit einer fabelhaften «Fanciulla») und später einen poetischen Janácek-Zyklus anschloss; sodann Guy Joosten, der uns einen zu Tränen rührenden «Rigoletto» bescherte und dessen Mozart-Zyklus mit durchaus ...
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