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Die Krone ist ihm zu groß. Immer wieder schiebt Boris Godunow die monströse Kopfbedeckung nach oben, blickt sich verwundert um, als verstehe er gar nicht, was da passiert, während das Volk auf Befehl ihm, dem neuen Zaren, zujubelt. Bereits in den ersten Augenblicken wird klar: Dieser Mann ist ein Unbeteiligter. Eben hat er noch Trainingsanzug getragen, mehr zufällig ist in seinen Armen ein Kind aus Erschöpfung gestorben. Dass das Kind Dmitri war, letzter überlebender Sohn des Zaren und Thronfolger, weiß er nicht.

Boris Godunow, den die Geschichte zum Mörder des Zarewitsch gestempelt hat, ist in der Lesart von Regisseur Christian Pade und seinem Team zur falschen Zeit am falschen Ort. Zur Zarenwürde wird er regelrecht gedrängt. Am Tod des Kindes ist er nicht schuld. Das anregend verfasste Programmheft vertieft diesen Ansatz: Geschichte besteht aus Erinnerungen, und die verändern sich im Laufe der Zeit. Dem Gedächtnis, auch dem kollektiven eines Volkes, ist nicht zu trauen. Und auch schriftliche Quellen können lügen.
Die Inszenierung will in zweifacher Hinsicht zu den Wurzeln zurückkehren: indem sie den historischen Boris Godunow von seiner Schuld entlastet und als einen Mann zeigt, ...

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Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Udo Badelt

Vergriffen
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