Kinder, spukt weiter!
Im Quartett der Rhein-Main-Theaterstädte Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Mainz kann letztgenannte dank Neugier und Vielfalt künstlerisch und spielplanerisch gut mithalten. Auf hessischer Seite fusionierte die Ballett -sparte von Wiesbaden mit Darmstadt; dem Mainzer Tanzensemble gelingt seit der Ära Martin Schläpfer und spätestens seit der vertanzten «Tanzsuite mit Deutschlandlied» von Lachenmann im Jahr 2005 immer wieder auch im zeitgenössischen Fach ein Publikums- und Kritikerfolg.
Gleiches gilt für das Musiktheater: Der weiland regieführende Intendant George Delnon öffnete als Koproduzent der Münchener Biennale mit Mark Andres geflüsterter Apokalypse-Oper «… 22,13 …» die Tür zur Neuen Musik ganz weit, sodass der liberale Mainzer Kardinal Karl Lehmann, der über Heidegger promovierte, ein flammendes Plädoyer auf die notwendige Geworfenheit neuer Klänge hielt – unvergessen.
In diesem aufgeschlossenen Klima findet Sondheims «Sweeney Todd» ebenso sein Publikum wie Rihms «Eroberung von Mexiko». Bei Rihm führte vor zwei Jahren der am Ende dieser Spielzeit scheidende GMD Hermann Bäumer Sängerinnen, Sänger und Orchester zu wahrlich avancierter Höchstleistung. Wie bei der ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Achim Heidenreich
Seit einer Produktion in Freiburg 1971 brauchte Maurice Yvains Erstlingsoperette «Ta Bouche» trotz Volker Klotz’ Lobeshymne im Standardwerk «Bürgerliches Lachtheater» mehr als ein halbes Jahrhundert, um erneut in einem deutschen Theater gespielt zu werden. Dabei hatte schon die Uraufführung am Pariser Théâtre Dannou 1921 eine ganze Reihe von Erfolgen nach sich...
Eine todbringende Gesellschaft ist das, aber lustig anzusehen. Besondere Erheiterung schaffen jene beiden Pferde, welche die Omnibus-Kutsche, eine Vorform des öffentlichen Verkehrs, auf die Bühne ziehen. Die Pferde – nun, es sind keine Pferde, sondern Theatertiere, gespielt von Statisten, die ihre Wartezeiten in eher gekrümmter Körperhaltung und mit gewiss nicht...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
