Wir sind gemeint
Grimmig war Mark-Anthony Turnage angesichts manch harscher Kritiken zu seinem letzten Musiktheater «Coraline»: Er müsse ja keine Opern mehr schreiben, wenn sie auf so wenig Gegenliebe stießen. Nun denn, Turnage schuf dann doch ein neues Werk, mit Spannung erwartet und mit erheblichem Aufwand nun uraufgeführt an der Royal Opera Covent Garden. «Festen», ein Film des Dogma-Regisseurs Thomas Vinterberg aus dem Jahr 1998, wurde durch eine starke Story, den Einsatz einer Handkamera, lange Einstellungen sowie den Fokus auf scheinbar Nebensächliches Kult.
Unzählige Schauspielbearbeitungen folgten, jetzt die Oper. Librettist Lee Hall hielt sich eng an die Vorlage, fügte aber eine Prise Humor ein und glättete einige dramaturgische Brechungen, die im Film mehr Sinn ergeben als auf der Theaterbühne.
Die Handlung ist so simpel wie wirkungsvoll: Helge feiert seinen 60. Geburtstag, Sohn Christian hält eine entlarvende Rede, in der er aufdeckt, dass sowohl seine Schwester als auch er selbst von ihrem Vater missbraucht wurden, woraufhin die Schwester sich das Leben nahm. Der Schock der Enthüllungen führt nur begrenzt zur Solidarität der Partygesellschaft mit dem Ankläger: Christian wird sogar ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jörn Florian Fuchs
Glucks am 18. Mai 1779 in Paris uraufgeführte «Iphigénie en Tauride» war nicht die erste französische Oper, die den Stoff des antiken Dramas von Euripides aufgriff. Fast auf den Tag genau 75 Jahre früher war an der Pariser «Académie Royal de Musique» das Gemeinschaftswerk von Henry Desmarest und André Campra herausgekommen. Der wegen seiner Liaison mit einer...
Seit einer Produktion in Freiburg 1971 brauchte Maurice Yvains Erstlingsoperette «Ta Bouche» trotz Volker Klotz’ Lobeshymne im Standardwerk «Bürgerliches Lachtheater» mehr als ein halbes Jahrhundert, um erneut in einem deutschen Theater gespielt zu werden. Dabei hatte schon die Uraufführung am Pariser Théâtre Dannou 1921 eine ganze Reihe von Erfolgen nach sich...
Man denke sich die Figuren in Händels «Rinaldo« von unsichtbaren Fäden geleitet. Der Spielführer heißt Hinrich Horstkotte; ursprünglich war er Marionettenspieler, nun agiert er als Regisseur. Als überdimensionales Puppentheater auf einer Guckkastenbühne mit Seitenprospekten und Holzboden inszeniert er die Oper bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Das ergibt Sinn....
