Boulevard statt Komödie
Man nehme eines der zahlreichen Shakespeare-Stücke – in diesem Falle «Viel Lärm um nichts» –, streiche den Hauptstrang des dramatischen Plots, den Scheintod der schönen Hero und ihre glückliche Wiederauferstehung, konzentriere sich auf die beiden Nebenfiguren Béatrice und Bénédict, beide angeblich Liebes- und Eheverächter, die durch eine Intrige dann zum glücklichen Hochzeitspaar werden – und man erhält, so man Hector Berlioz heißt und über genügend musikalische Einfälle verfügt, eine der entzückendsten, leichtfüßigsten, zauberhaftesten Spielopern der französischen
Spätromantik: «Béatrice et Bénédict», ein bei seiner Uraufführung 1862 im neu erbauten Theater zu Baden-Baden frenetisch gefeiertes Werk, später rasch in Vergessenheit geraten, hoch geschätzt unter Kennern, eine kostbare, aber kaum gespielte Rarität. In Bremen unternahm man jetzt einen neuen Versuch, dem Werk auf die Beine zu helfen. Und der ging leider ziemlich schief. Dabei waren vor allem die musikalischen Voraussetzungen für eine gelungene Wiederentdeckung ausnahmslos gegeben: Die Bremer Philharmoniker unter Stefan Klingele setzen mit kammermusikalischem Feinsinn von der quirligen Ouvertüre bis zum Finale genau das ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhart Asche
Man denke sich die Figuren in Händels «Rinaldo« von unsichtbaren Fäden geleitet. Der Spielführer heißt Hinrich Horstkotte; ursprünglich war er Marionettenspieler, nun agiert er als Regisseur. Als überdimensionales Puppentheater auf einer Guckkastenbühne mit Seitenprospekten und Holzboden inszeniert er die Oper bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Das ergibt Sinn....
Wie es im Maschinenraum der Welt tickt? E. T. A. Hoffmann hatte davon mehr als nur eine leise Ahnung, der reisende Enthusiast war bewandert in der Kunst des Unbewussten, Unterbewussten. Und er fühlte sich pudelwohl in jenen nietzscheanisch verschleierten Sphären, in denen alles, was der Fall ist, «tiefer als der Tag gedacht» wurde, und wo alle Lust Ewigkeit...
Die Namen von Robert Fürstenthal und Walter Aptowitzer sind vermutlich nur wenigen Eingeweihten ein Begriff. Beide Komponisten stammten, wenngleich sie unterschiedlichen jüdischen Milieus angehörten, aus Wien; beide mussten 1938, nach dem «Anschluss» Österreichs, ihre Heimat verlassen, um nicht in die Fänge des nationalsozialistischen Terrors zu geraten; und beide...
