Boulevard statt Komödie

Berlioz: Béatrice et Bénédict am Theater Bremen

Opernwelt - Logo

Man nehme eines der zahlreichen Shakespeare-Stücke – in diesem Falle «Viel Lärm um nichts» –, streiche den Hauptstrang des dramatischen Plots, den Scheintod der schönen Hero und ihre glückliche Wiederauferstehung, konzentriere sich auf die beiden Nebenfiguren Béatrice und Bénédict, beide angeblich Liebes- und Eheverächter, die durch eine Intrige dann zum glücklichen Hochzeitspaar werden – und man erhält, so man Hector Berlioz heißt und über genügend musikalische Einfälle verfügt, eine der entzückendsten, leichtfüßigsten, zauberhaftesten Spielopern der französischen

Spätromantik: «Béatrice et Bénédict», ein bei seiner Uraufführung 1862 im neu erbauten Theater zu Baden-Baden frenetisch gefeiertes Werk, später rasch in Vergessenheit geraten, hoch geschätzt unter Kennern, eine kostbare, aber kaum gespielte Rarität. In Bremen unternahm man jetzt einen neuen Versuch, dem Werk auf die Beine zu helfen. Und der ging leider ziemlich schief. Dabei waren vor allem die musikalischen Voraussetzungen für eine gelungene Wiederentdeckung ausnahmslos gegeben: Die Bremer Philharmoniker unter Stefan Klingele setzen mit kammermusikalischem Feinsinn von der quirligen Ouvertüre bis zum Finale genau das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Handwerklich solide

Ist «Salome» ein aktuelles Stück? Hat uns Judäas lustmordende Prinzessin mehr zu sagen als ihre dekadenten Schwestern, die den Betrachter – eher als die Betrachterin – auf den Bildern von Klimt, Stuck und Moreau so sphinxhaft todbringend in ihren Bann schlagen? Zwickau scheint sich in eine feministische Umdeutung der antiken Legende flüchten zu wollen: Salome...

Innerste Glut, tiefste Wahrheit

Der 17. Juni 1949 war einer jener Tage, den wohl keine Sängerin, die je die Rolle der druidischen Priesterin verkörpert hat, wird vergessen können. An diesem mild-warmen Sommertag stand im Teatro Colón zu Buenos Aires die (Musik)Welt für einen Moment still, atemlos staunend. An der Seite von Fedora Barbieri, Mario del Monaco und Giulio Neri sang Maria Callas die...

Personalien, Meldungen 4/25

JUBILARE

Sie ist der Beweis, dass es auch im Gesang Wunderkinder gibt: Anja Silja, die am 17. April ihren 85. Geburtstag feiert. Ausgebildet von ihrem Großvater gab sie mit 15 Jahren ihren ersten Liederabend, ein Jahr später debütierte sie in Braunschweig auf der Opernbühne. Nach drei weiteren Jahren, sie war neunzehn, sang sie an der Wiener Staatsoper unter Karl...