Keine Angst vor großer Oper
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
Hat hier jemand etwas von «Krise» gesagt? Einen Monat nach der Premiere ist in Halberstadt eine «Traviata» von Giuseppe Verdi zu erleben – vor nahezu ausverkauftem Haus. Die Aufführung ist lebendig und frisch, alle wichtigen Rollen sind aus dem Sängerensemble des Hauses besetzt, auf erstaunlichem Niveau: Jessey-Joy Spronk ist eine Violetta von starker sängerischer wie darstellerischer Präsenz, der junge Chilene Francisco Huerta als Alfredo ein Tenor, den man bald auch an größeren Häusern hören dürfte.
Seine Stimme hat baritonale Wärme, die Höhe ist sicher und reich an Volumen. Was an diesem Abend fast noch mehr beeindruckt, ist aber die Lust am Spiel, an der Präsentation, an Verdis Musik. Das überträgt sich unmittelbar auf das Publikum, die 400 Menschen im Saal erheben sich am Ende zu Standing Ovations.
Vor der Vorstellung saß man in einem gut geheizten, gut aufgeräumten Büro, zum Gespräch verabredet mit einem heiter gelaunten Intendanten und Musikdirektor. Seit einem Vierteljahrhundert ist Johannes Rieger in Halberstadt tätig, wo das Harztheater (früher etwas komplizierter: Nordharzer Städtebundtheater) seinen Sitz hat. Rieger sprudelt vor Energie und Mitteilungsfreude, es wirkt ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Opernwelt auf Landpartie, Seite 56
von Clemens Haustein
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
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Das Rote Meer teilt sich: Die Hebräer fliehen vor den Ägyptern, die in den zurückflutenden Wassermassen versinken. Mit diesem alttestamentarischen Bild endet Rossinis «Moses in Ägypten». Der Komponist schätzte dramatische Effekte. Um das Verbot weltlicher Opern zur Fastenzeit zu umgehen, griff er – wie viele Komponisten seiner Zeit – auf einen biblischen Stoff...
