Droge, Faust, Sündenfall
Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen.
Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor» anstimmen, aber so sanft, dass man den Damen kaum glaubt, was sie da singen, zumal nur wenige Minuten später jenes schwärmerischschöne Liebesquartett erklingt, dessen Worte (wie auch die musikalische Untermalung) keine Zweifel lassen, wohin der Weg führt: «Fra quell’ombra»: Komm mit mir unter diese Bäume. Und so geschieht seinesgleichen: Sie alle, nicht nur die Titelfigur, Margarita, Mefistofele und Catarina (die bei Bertin die Rolle von Goethes Marthe Schwerdtlein übernimmt) sind viel zu sehr berauscht, um nicht das Wagnis des flüchtigen Glücks zu suchen.
Ein Wagnis ist es auch, ein Stück wieder auf den Spielplan zu nehmen, das noch vor zwei Jahren kaum jemand kannte. Das Aalto-Theater Essen hat es dennoch getan und damit in gewisser Weise beinahe ein Unikum geschaffen. Mag Bertins so berührend-berückende wie burschikos ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten
Zu den auffälligsten Tendenzen der jüngsten Zeit gehört es, dass die Mauern zwischen ganz alter und ganz neuer Musik, zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und moderner Interpretation immer häufiger fallen. Der Buchstabe der Überlieferung wird in der Ausführung nicht mehr wörtlich eingefordert, sondern frei übersetzt, ja gänzlich ausgeblendet, wobei...
Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn...
Bei allem gebotenen Ernst: Das hier einmal ausgesprochen physisch dargebotene Schlussgerangel um den Ring, in dessen Verlauf die Rheintöchter Hagen buchstäblich niederringen, ist dann doch ziemlich lustig. Hin und her geht es. Hagens «Zurück vom Ring!», immerhin die letzten Worte des Stücks, bleiben folgenlos, wie ja generell das vielleicht sinnvolle Abstandsgebot...
