Sebastian Byzdra (Erster Gefangener I), Hans-Georg Priese (Florestan), Rainer Stoß (Erster Gefangener II), Anke Berndt (Leonore) und Vladislav Solodyagin (Rocco); Foto: Theater/Falk Wenzel
Keck, kühn, kokett
Sachen gibt’s ... die gibt es nur auf dem Theater. Zum Beispiel in Halle. Dort hockt zu Beginn des zweiten Akts nicht die gefolterte Kreatur im Kerker, sondern Intendant Florian Lutz in grell beleuchtetem Souterrain, auf heißem Stuhl. Nicht er selbst, Zeus bewahre. Doch Hans-Georg Prieses Florestan trägt unverkennbar die Züge und lockige Haarpracht des Hausherrn, wie auch der geschäftige Mann im azurblauen Anzug dem Chefdramaturgen des Hauses, Michael von zur Mühlen, verblüffend ähnelt.
Und noch ein weiterer Herr verzweifelt hier an seinem Tun; vermutlich ist’s der Dritte der Hallenser Davidsbündler, Veit Güssow. Erschossen werden sie, wie Rocco, versehentlich alle; die gute Leonore ist leider nicht besonders geübt im Umgang mit antiken Handfeuerwaffen.
Was das mit «Fidelio» zu tun hat? Mehr, als man zunächst denkt. Auch wenn das Stück nicht mehr so anmutet, wie man es sich gemeinhin vorstellt, und auch nicht die bekannte Sprache spricht (die Dialoge sind ausnahmslos gestrichen), ist es doch Beethovens Oper. Nur sieht sich das Pathos jener fernen Epoche gemildert, der Begriff der Freiheit eigensinnig umgedacht, wenn man so will: verrückt ins Jetzt. Freiheit, das meint hier, ganz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man muss erfinderisch sein im Kölner Staatenhaus, einer einstigen Messehalle, mit der die Kölner Oper während der skandalös sich hinschleppenden Sanierung ihres Stammhauses bis mindestens 2023 vorlieb nehmen muss. Die Eröffnungspremiere der jungen Spielzeit deutet zumindest an, dass man inzwischen bühnentechnisch kreativer und akustisch souveräner mit den...
Neues Team, neuer Schwung. Zum Auftakt seiner Intendanz in Saarbrücken nahm sich Bodo Busse eines Meisterwerkes an, das mit den drei Reitergalopp-Minuten seines Geschwindmarsch-Ouvertürenschlusses unsäglich populär ist, während die restlichen dreieinhalb Stunden kaum mehr bekannt sind. Aufführungen dieses für Halévy, Meyerbeer und den jungen Wagner wegweisenden...
Versehrte, Verstörte und Verzückte laufen durch diese kranke Welt, die sich der Regisseur David Bösch wohl als eine nach ihrem Untergang denkt. Wasteland, Mad Max. Die üblichen Ölfässer und verdorrten Büsche. Ständig müssen sich die Menschen an den Kopf fassen, vor allem (und arg zwanghaft) der Herrscher dieses dunklen Landes. Der Isländer Tómas Tómasson macht ihn...
