Bleib, wo du bist! Nadine Lehner (Katerina), Chris Lysack (Sergej); Foto: Jörg Landsberg
Jenseits von Gut und Böse
Es ist nur eine Vermutung. Aber als Premierengast dieser Inszenierung wäre der russische Präsident Wladimir Putin wohl so wenig amused gewesen wie weiland Josef Wissarionowitsch Stalin, als er 1936 Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» in seiner Loge verfolgte, um sie daraufhin von den Spielplänen der Sowjetunion verbannen zu lassen. Dabei aktualisiert Armin Petras das Werk am Theater Bremen niemals platt provozierend.
Vielmehr verlegt er das Schicksal der Kaufmannsfrau Katerina naturalistisch in die graue Gegenwart des eiskalten, nordrussischen Norilsk mit seiner umwelt- und menschengefährdenden Nickelindustrie – eine kluge Kontextualisierung.
Im neureich-muffigen Wohnzimmer ihres Schwiegervaters ist Katerina zu Beginn kaum mehr als weibliches Dekorum. Boris drängt sie in die engen Grenzen ihrer Frauenrolle inmitten eines paternalistisch-neokapitalistischen Systems. Ihr asthmatisch-schwächlicher Ehemann Sinowi kann sie nicht befriedigen. Nadine Lehner macht das als sängerdarstellerisches Großereignis deutlich: Katerina will raus aus dem goldenen Käfig. Mit großer Intensität, brennenden Pianissimi, im Dramatischen bis an ihre vokale Grenzen gehend, gestaltet die lyrisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell...
Seit dem Umzug ins Lincoln Center 1966 hat die Met erst zwei «Normas» herausgebracht (1970 und 2001) – in Sachen Düsternis und Unbeweglichkeit stand die eine der anderen nicht nach. Jetzt hat David McVicar einen neuen Versuch unternommen. Die Bühne zeigt ein waldig-nebliges Gallien, das nach «Game of Thrones» aussieht. Das erste Bild ließe sich auch als Caspar...
Eigentlich – das weiß jeder Wagnerianer – geht es im «Ring» mit der «Walküre» erst so richtig zur Sache, und so war man in Oldenburg denn auch gespannt, wie Regisseur Paul Esterhazy und sein Ausstatter Mathis Neidhardt die Versprechungen ihres im «Rheingold» als besonders originell erscheinenden Konzepts weiterentwickeln würden. Man erinnert sich: «Der Welt Erbe»,...
