Bleib, wo du bist! Nadine Lehner (Katerina), Chris Lysack (Sergej); Foto: Jörg Landsberg
Jenseits von Gut und Böse
Es ist nur eine Vermutung. Aber als Premierengast dieser Inszenierung wäre der russische Präsident Wladimir Putin wohl so wenig amused gewesen wie weiland Josef Wissarionowitsch Stalin, als er 1936 Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» in seiner Loge verfolgte, um sie daraufhin von den Spielplänen der Sowjetunion verbannen zu lassen. Dabei aktualisiert Armin Petras das Werk am Theater Bremen niemals platt provozierend.
Vielmehr verlegt er das Schicksal der Kaufmannsfrau Katerina naturalistisch in die graue Gegenwart des eiskalten, nordrussischen Norilsk mit seiner umwelt- und menschengefährdenden Nickelindustrie – eine kluge Kontextualisierung.
Im neureich-muffigen Wohnzimmer ihres Schwiegervaters ist Katerina zu Beginn kaum mehr als weibliches Dekorum. Boris drängt sie in die engen Grenzen ihrer Frauenrolle inmitten eines paternalistisch-neokapitalistischen Systems. Ihr asthmatisch-schwächlicher Ehemann Sinowi kann sie nicht befriedigen. Nadine Lehner macht das als sängerdarstellerisches Großereignis deutlich: Katerina will raus aus dem goldenen Käfig. Mit großer Intensität, brennenden Pianissimi, im Dramatischen bis an ihre vokale Grenzen gehend, gestaltet die lyrisch ...
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Auf den Zinnen des osmanischen Kastells stehen Polizisten mit Maschinengewehren. Vom Meer weht ein frischer Wind in den Hafen von Pafos, dorthin, wo jeden Sommer das Aphrodite Festival in einem 2200 Plätze umfassenden Open Air-Theater stattfindet, direkt vor der Burg. In diesem Jahr beanspruchen die drei Aufführungen der «Entführung aus dem Serail» besondere...
Mimì und Musetta in Schnürstiefeln der Belle Epoque, die Hungerkünstler in einer Mansarde à la Paris um 1830 – das war ein echter Langzeitrenner an Covent Garden: 41 Jahre lief John Copleys deutungsfrei plüschige «Bohème»-Inszenierung im Royal Opera House zu London; auf 25 Revivals hatte die Produktion es gebracht, als sie 2015 ausgemustert wurde. Für die letzte,...
Während die Musik gleich zu Beginn ins Taumeln gerät, entbirgt die Bühne ein Karussell, das überdies quasi ein Kind bekommt, ein Modell in verkleinertem Maßstab an der Rampe vorne links. Das Programmbuch hatte uns dazu unter anderem Rilkes «Jardin du Luxembourg» suggeriert. Wir könnten freilich auch Wiener Praterkolorit beschwören, H. C. Artmann etwa: «I bin a...
