Zwischen Idealismus und Ideologie
Opernhäuser zeigen Märchen und Legenden, aber sie fabrizieren sie auch. Nur selten gelingt es, dogmatisch verfestigte, eindimensionale Deutungsmuster aufzulösen. Misha Aster hat es jetzt geschafft. Nach zehnjähriger Wühlarbeit in Archiven legt er einen Band vor, der nicht nur akribisch recherchiert ist, sondern auch unterhaltsam, ja beinahe spannend – und das Gros der bisherigen Literatur zum Thema Berliner Staatsoper, vor allem die pro domo-Produkte von Intendanten und Chefdramaturgen, obsolet erscheinen lässt.
So belegt Aster materialreich, wie der heute vornehmlich als Antisemit wahrgenommene Max von Schillings, Komponist des einstigen Welterfolgs «Mona Lisa», als demokratisch gewählter Staatsopernchef scheiterte, wie «seine Kollegialität und seine eindrucksvolle – manchmal sogar geniale – Führung» im Weltanschauungskrieg der frühen Weimarer Jahre ins Leere lief. Andererseits wird dargestellt, wie Leo Kestenberg, ein sozialdemokratischer Kultusbeamter, mit erzieherisch orientierten Programmen immer wieder bürokratische Hürden vor künstlerisch und strukturell sinnvollen Entwicklungen aufbaute; selbst Otto Klemperer steht am Ende nicht mehr als jene reine Lichtgestalt da, zu der ...
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Erstmals wurde der Deutsche Dirigentenpreis in diesem Jahr als internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Inhaltlich entscheidend war eine Öffnung in Richtung Oper. Die Kandidaten hatten nicht nur ein anspruchsvolles Konzertprogramm zu bewältigen, das von Haydn bis zu Messiaens «Chronochromie» und Birtwistles extrem schwerem «Silbury Air» reichte. Sie mussten sich...
Kürzlich stieß ich im «New Yorker» auf einen Beitrag über Toscanini. Als der Dirigent in den 1920ern Chef der Scala war, las ich dort, bestand das Repertoire zu 35 bis 40 Prozent aus nagelneuen Stücken. Meine Frau und ich stellen gerade eine Stiftung auf die Beine, die Kompositionsaufträge finanzieren soll – da mutet uns die Vorstellung paradiesisch an. Man stelle...
Seit dem Umzug ins Lincoln Center 1966 hat die Met erst zwei «Normas» herausgebracht (1970 und 2001) – in Sachen Düsternis und Unbeweglichkeit stand die eine der anderen nicht nach. Jetzt hat David McVicar einen neuen Versuch unternommen. Die Bühne zeigt ein waldig-nebliges Gallien, das nach «Game of Thrones» aussieht. Das erste Bild ließe sich auch als Caspar...
