Kaputte Herzen
Im immersiven Musiktheater liegt für Heinrich Horwitz immer auch eine Überforderung. Das Publikum, erklärt der Regisseur, werde aus der Komfortzone geholt, müsse sich selbst in der Aufführung verorten, nicht nur geistig, sondern auch körperlich einsteigen und eine eigene Perspektive suchen. Das koste Überwindung, biete aber die Chance einer eigenständigen Erfahrung: «Spielen Sie gern?», lautet die Frage, bevor am Staatstheater Darmstadt das Projekt «Freedom Collective» in Horwitz’ Inszenierung über die Bühne geht, die Zuschauer werden an Informationstischen empfangen.
Ein futuristisch gekleidetes Supporter-Team erklärt, wie man sich über sein Handy mit einer interaktiven Website verbinden kann: Ein QR-Code wird gescannt, und schon ist man Teil eines multimedialen Theaterexperiments. Beim Einlass werden Ohrstöpsel verteilt. Zu Beginn bewegen sich zwei Darstellerinnen desorientiert durch den Zuschauerraum und wischen ihre Hände ab, an denen Verkohltes haftet. Erst am Ende des Abends wird klar, dass hier die Schlussszene der Aufführung vorweg -genommen wurde: Zwei verlorene Gestalten taumeln nach exzessivem Drogenkonsum aus einem Gaming-Club.
An diesen sinistren Ort wird das Publikum ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Silvia Adler
Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts....
Krzysztof Warlikowski liebt es, unterschiedliche Werke miteinander zu verbinden, um daraus eine ganz persönliche Vision zu entwickeln. So auch 2015 in Paris, als er Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und Poulencs «La voix humaine» zu einer eindrucksvollen Aufführung verband. Die Produktion, die nichts von ihrer Faszination verloren hat, wurde nun am Teatro San Carlo...
Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin....
