Kampf der Kulturen
Gioachino Rossinis «Tancredi» ist auf den Spielplänen nicht häufig zu finden. Dabei markierte das 1813 uraufgeführte Melodramma eroico für den 20-Jährigen einen Durchbruch sowie den Aufstieg in die erste Liga der Opernkomponisten Europas. Die berühmte Arie des Titelhelden «Di tanti palpiti» ist in Italien bis heute ein volkstümlicher Hit und auch in Galakonzerten ein Dauerbrenner.
Dass «Tancredi» in Gänze aber nicht annähernd so präsent ist wie «Il barbiere» oder «L’italiana in Algeri» liegt auch daran, dass Rossinis dynamisch vorantreibender Ziergesang für heutige Ohren eher mit Heiterkeit und lustigen Verwicklungen in Einklang gebracht wird als mit Ereignissen von dramatischer Fallhöhe. Was wiederum mit der Entwicklung der Musikgeschichte zu tun hat, die sich in Italien mit Verdi und dem späteren Verismo bei ernsten Sujets ganz von den vokalen Perlenketten abwandte. Wie also umgehen mit diesem ernsten Rossini, dessen Partitur Stendhal aufgrund ihrer Frische und Jugendlichkeit besonders stark beeindruckte? Alles an diesem Werk sei einfach und rein, schrieb der französische Romancier in seinem Buch über Rossini und bezeichnete sich selbst als einen «Rossinisten des Jahrgangs 1815», ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Regine Müller
Herr Bruns, muss denn der Siegfried unbedingt sein?
Natürlich! Meine Mutter heißt doch Brunhilde. Aber im Ernst: Die Frage könnte man sich für den gesamten «Ring» stellen. Wenn man Wagner mag, dann ist die Antwort eindeutig: Ja, es muss sein. Ob der Siegfried bei mir persönlich sein muss, mit dieser Frage bin ich lange schwanger gegangen. Mittlerweile habe ich aber...
Von Walter Benjamin stammt die scharfsinnige, nur bedingt anfechtbare These, Schicksal und Charakter würden einander ausschließen: «Wo das Schicksal herrscht, sei, so der Philosoph, «für Charaktere, die standhalten, kein Platz, und wo sich Charaktere ungebrochen behaupten, bleibt das Schicksal fern.» In den Opern Verdis ist meist Ersteres der Fall, wobei man...
Abschiede schmerzen. Besonders dann, wenn es sich bei der abschweifenden Person um die Angebetete handelt, mit der man noch wenige Minuten zuvor traulichvertraut beieinanderlag. Dem Titelhelden von Händels «Rinaldo» ist das Missgeschick, ausgelöst durch Armidas rustikales Eingreifen, widerfahren, Almirena (für immer und ewig?) aus seinem Gesichtskreis entschwunden....
