Cara sposa
Abschiede schmerzen. Besonders dann, wenn es sich bei der abschweifenden Person um die Angebetete handelt, mit der man noch wenige Minuten zuvor traulichvertraut beieinanderlag. Dem Titelhelden von Händels «Rinaldo» ist das Missgeschick, ausgelöst durch Armidas rustikales Eingreifen, widerfahren, Almirena (für immer und ewig?) aus seinem Gesichtskreis entschwunden. Was ihm bleibt, ist seine Stimme. Also singt Rinaldo – eine der elegischsten, an -mutigsten, berührendsten Arien, die Georg Friedrich Händel je aus der Feder flossen: «Cara sposa».
Beinahe zehn Minuten dauert dieses Lamento amoroso, und so, wie es Randall Scotting interpretiert, kann man eigentlich nur dahinfließen – vor Wonne und vor Wehmut.
Der Countertenor wandelt damit auf den Spuren eines anderen Sängers, ihm gilt das gesamte Album «Divine impresario». Die Rede geht von Nicolò Francesco Leonardo Grimaldi, Künstler- und Kosename Nicolini, der zu seiner Zeit einer der berühmtesten Kastraten war. Wie seine Stimme geklungen hat, wissen wir nicht. Aber durch Scottings Hommage an ihn gewinnen wir eine Ahnung davon. Weich, leise bebend klingt Rinaldos Flehen, das sich über in sich geschlossenen, weitgespannten Linien ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 42
von Virginie Germstein
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