Kabinett der Träume
Der verflixte Revolver! Den ganzen Abend über versucht Rolando Villazón ihn loszuwerden. Und doch taucht er immer wieder auf, egal, wo er die Waffe vorher gerade hat verschwinden lassen. So oft fällt ihm das gefährliche Gerät mit der Trommelkammer in die Hände, dass es schließlich zum tödlichen Schuss kommt. In Claus Guths Inszenierung von Bohuslav Martinus «Juliette» führt Villazón den absurden Slapstick-Kampf mit dem altmodischen Schießeisen auf hoch virtuose Weise, macht die vergebliche Entsorgung des unliebsamen Geräts zum Running Gag eines traurigen Clowns.
Denn als solcher erscheint Michel hier, der Pariser Buchhändler, der seiner Traumfrau hinterherjagt, jener Juliette, die ihm einst in einer fremden Stadt wie eine Vision erschien. Als es dann endlich zum lang ersehnten Rendezvous kommt, sinkt die Angebetete tödlich getroffen zu Boden. Ob er der Schütze war oder es sich um einen Blindgänger handelte, kann Michel auch im «Zentralbüro der Träume» nicht erfahren – stattdessen hört er plötzlich Juliettes Stimme hinter einer verschlossenen Tür.
Das spanische Verb «revolver» bedeutet «aufwühlen, durcheinanderbringen, verwirren» – und dass dem Publikum in der Berliner Staatsoper so ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Frederik Hanssen
Alejo Pérez suchte die Musik im Paradies. Hoch oben, wo die Fresko-Decke des Teatro Colón fast mit Händen zu greifen ist. Im «Paraíso», wie hier der höchste Rang heißt, stand Alejo als kleiner Junge an jedem nur möglichen Wochenende und blickte auf die Bühne. «Egal ob Oper oder Konzert – ich wollte dabeisein», erinnert sich Pérez, der jetzt zu den aufstrebenden...
Mit ohrenbetäubendem Kreischen stürmt eine Gruppe Jugendlicher in weiß-blau gestreiften Badekappen die Bühne, unter dem donnernden Stakkato eines Pianos. Sie posieren. Sie grimassieren. Dann singen sie. Im kleinen, von Leuchtröhren erhellten Chorsaal im vierten Stock des Theaters an der Wien hat das Team um das Regie-Duo Catherine Leiter und Beate Göbel alle Hände...
Jubilare
Jan Krenz zählt zu den bedeutends-ten polnischen Dirigenten vor allem im Bereich der zeitgenössischen Musik, begann seine musikalische Laufbahn jedoch als Komponist. Sein «Streichquartett Nr. 1» wurde bereits 1943 im besetzten Warschau im Untergrund aufgeführt. Krenz komponierte während seiner gesamten Dirigentenkarriere Werke verschiedener Genres, darunter...
